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Die Bikini-Kirche

Bikini

Als ich gestern von einer „Bikini-Kirche“ las, dachte ich zunächst an eine Veranstaltung auf dem Kirchentag (DEKT), die ich im Programm vielleicht übersehen habe. Man übersieht ja sowieso viel im Programm und wundert sich auch nicht über Veranstaltungen die seltsam anmuten. Warum also sollte es also keine „Bikini-Kirche“ geben? Gut zwei Sekunden später dämmerte es dann aber: Das ist vielleicht doch Sexismus? Um es kurz zu machen, es ging um die neuste Veröffentlichung zur Mitglieder Entwicklung der beiden Kirchen, die erstmals eine Prognose bis 2060 wagt. In vierzig Jahren soll die Mitgliederzahl im Vergleich zu heute um gut die Hälfte gesunken sein. Schuld sei nicht der viel zitierte demographische Wandel, sonder vor allem die verstärkte Austrittswilligkeit der jüngeren Generation. Das sind -im kirchlichen Kontext- Menschen unterhalb eines Lebensalters von vierzig (!) Jahren. Wo es um „Abnehmen“ geht, ist der Bikini nicht weit. Soweit also der -zugegebener Maßen- etwas schlichte Vergleich.

Wirklich neu an der Untersuchung ist nur der betrachtete Zeitraum bis 2060. Bisher galt als vermeintliches Schicksalsjahr immer 2030, weil bis dahin nur noch die Hälfte der finanziellen Mittel zur Verfügung stehen sollte. Nun sieht es mit der Einnahme der Kirchensteuer gar nicht mehr so schlecht aus. Wäre da nicht die Inflation, gäbe es gar keinen nennenswerten Rückgang der Einnahmen. Dennoch entsteht der Eindruck, dass der kirchliche Relevanz-Verlust erst jetzt wirklich wahrgenommen wird. Vor allem bei Kirchenleitungen, die lange Zeit ein „weiter so!“ propagierten.

Es ist noch keine zehn Jahre her, da zog der damalige Ratsvorsitzende der EKD und rheinische Präses Nikolaus Schneider durch die Lande und verkündete: „Nur nicht Bange machen lassen, in den nächsten zwei bis drei Generationen wird sich institutionell nichts ändern“. Und seine Stellvertreterin wurde noch vollmundiger: „Wir sind in der Fläche präsenter als McDonald’s und das wird auch noch lange so bleiben.“ Womit wir wieder beim Bikini wären, denn mit dem fetten Fastfood Vergleich ist es nun endgültig vorbei: Der Weg in die Minderheitskirche wird schneller kommen als gedacht.

Endlich vorbei mit dem „Konventionschristentum“ jubeln die einen, was ein gesellschaftlicher Verlust, klagen die anderen. Dabei wird sich in den Ortsgemeinden nicht viel ändern. Jedenfalls in denen, die noch verbleiben werden. Denn die „Vereinskultur“ ist beharrlich und die Antwort  „Bewährtes und Innovation, damit die Kirche nah bei den Menschen ist“, markiert den zur Zeit kleinst möglichen Nenner. Warum man das in den vergangenen zwanzig Jahren bei üppiger Ausstattung von Finanzen und Personal nicht vermocht hat, bleibt eine offene Frage. Oder es ist es gar die Antwort?

Photo by Analise Benevides on Unsplash

Korrektur: Von einer „Bikini-Kirche“ war gar nicht die Rede. Es handelt sich vielmehr um einen Lesefehler. Von „Bikini Saison“ handelte der Tweet