Kirche im WDR

Narrenkappe, Babymütze und Schlüsselgewalt

Karneval

Wir wissen wie es heute ausgeht. Trotzdem sind viele live dabei um den Schaukampf um die Macht mitzuerleben. Oder schauen WDR Fernsehen, wo das Bonn-Beuler Rathaus zum Mittelpunkt karnevalistisch interessierter Öffentlichkeit wird. Wer die Schlüssel hat, hat die Macht. Das wissen nicht nur rheinische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Aber sie sind bereit sich dem närrischen Gesetz zu beugen und dem Damenkomitee für einige Tage die Herrschaft zu überlassen. Die einen mögen die ironisch inszenierte Brechung der Rollen, die anderen suchen lieber das Weite. Sie finden Karneval ist allenfalls ein Fest für die Kinder. Auch gut, denn jeder Jeck ist bekanntlich anders.

Die Bibel beantwortet die Frage wer die Herrschaft hat übrigens eindeutig: Gott hat das Regiment, auch wenn es aussieht als würde er den Schlüssel vorübergehend anderen überlassen haben. Jesus hat in vielen Geschichten von der Gottesherrschaft gesprochen und bei denen, die mit ihm unterwegs waren die Frage provoziert, welchen Rang sie denn in dieser Geschichte einnehmen würden. Bürgermeister müsste mindestens drin sein, -meinten sie. Jesus antwortet aber überraschend: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht dabei sein“. (Mt. 18,3)

„Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht was sie tun, Die Welt gehört in Kinderhände Dem Trübsinn ein Ende Wir werden in Grund und Boden gelacht Kinder an die Macht.“ – sang einst Herbert Grönemeyer. So´n Quatsch, Hebbert, könnte man natürlich einwenden. Hättest mal länger an einem Bochumer Sandkasten gesessen und zugeschaut, wie schnell die Förmchen fliegen und die Plastikschaufel auch kleine Köpfe treffen kann. Zur Zeit Jesu, dürfte es nicht anders zugegangen sein, wenn auch ohne Plastik!

Der Punkt ist aber ein anderer: Gottes Schlüsselgewalt setzt auf Schwachheit und Bedürftigkeit. Sie fordert Vertrauen in die Fähigkeiten anderer und den Abschied von der Vorstellung immer schon auf dem richtigen Weg zu sein. Das ist mehr als ein Plädoyer für generelle Schlichtheit oder Aufforderung zur Wiederentdeckung des Kinderglaubens. Es geht vielmehr darum „unten“ und „oben“ neu zu erleben. Einen anderen Blick einzuüben und zu fragen: Wer bin ich eigentlich in den Rollen und eingeübten Mustern des Alltages. Bin ich das, was andere von mir erwarten oder erwarte ich von mir eigentlich etwas anderes?

Hab ich verlernt zu vertrauen, weil zu viele Enttäuschungen Spuren hinterlassen haben? Die Möglichkeit einer Verständigung jenseits eigener Vorstellungen. Dieser Raum öffnet sich nur, wenn ich die Vorraussetzung akzeptiere, dass es ohne Vertrauen nicht geht. Wenn die Narrenkappe dabei hilft: sehr gut! Wenn sie in Form einer Babymütze daher kommt: Großartig!

 

Der Beitrag wurde am 28.2.2019 auf WDR2 gesendet und kann auch nachgehört werden:

(Ich habe keine Stimmband Operation machen lassen, sondern war beim Studio-Termin erkrankt.)