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Kirche!

„Mein Bild von Kirche“ oder auch welche „Vision von Kirche“ habe ich? In unzähligen Runden meines Berufslebens wurde dieses Thema hin und her gewälzt. Um es vorweg zu nehmen: Der Erfolg ist mäßig. Ich kann nicht erkennen, dass sich an kirchlicher Praxis einschneidendes geändert hat. Irgendwann steht man im Basisgremium (Kirchenvorstand/Presbyterium) vor der Frage, was wünschbar wäre und was machbar ist. Meistens wird dann die Formel bemüht „Bewährtes erhalten und Neues wagen“.
Leider ist dieses Konzept zum Scheitern verurteilt, denn die Kapazitäten reichen oft nur bis Erhaltung aller wichtigen Dinge, die man als Gemeinde so veranstaltet. Und da der eine diese und die andere jene Dinge für wichtig erachtet, ist schlussendlich „alles“ wichtig und erhaltenswert. „Neues“ birgt die Gefahr der Veränderung, die meistens als bedrohlich empfunden wird und setzt es sich tatsächlich einmal durch ist es oft der Beharrlichkeit einer einzelnen Person zu verdanken.
Das klingt, als könne man getrost auf Visionen von Kirche verzichten. Doch so einfach ist das Thema dann doch nicht von der Tagesordnung zu bekommen, weil im Wesen der Kirche die Frage nach ihrer Zukunft -„Reformation“; sorry 😉 angelegt ist. „Wer sagen die Leute, dass ich sei?“ (Mt.16,13) ist die christologische Grundfrage, die zu einer ekklesiologischen Frage wird, wenn Kirche tatsächlich „Christus als Gemeinde existierend“ (Bonhoeffer) ist. Insofern wird es keinen Mangel an Skizzen zu ekklesiologischen Modellen geben und deren Notwendigkeit sei auch nicht in Frage gestellt.
Gleichwohl kommt früher oder später (meist später) der Zeitpunkt „Visionen zu erden“ oder nach der „Zeit für das Wesentliche“ zu fragen. Interessanter Weise verschiebt sich die Diskussion dann oft auf die Frage nach dem Pfarrbild. Jedenfalls ist das in der Evangelischen Kirche im Rheinland (ekir) und der Evangelischen Kirche von Westfalen (ekvw) so. Dafür gibt es Gründe, personelle und finanzielle, aber zwingend ist diese Fokussierung nicht. Recht besehen, ist sie sogar schädlich, wie ein Kollege eindrücklich dargelegt hat.
Nun richten sich aller Augen gespannt auf das Pfarramt, weil es immer weniger Menschen gibt, die bereit sind sich aufzumachen wie einst Abraham. Das unbekannte Land ist offenbar keines in dem Milch und Honig fließen, sondern eher Heulen und Zähneklappern herrscht. Deshalb braucht es Imagekampagnen, die den schlechten Ruf aufbessern sollen. Hoffentlich zeigen die Maßnahmen den gewünschten Erfolg. Dennoch bleiben Zweifel, was die Rahmenbedingungen pfarramtlicher Tätigkeit angeht, denn der Generation Y dürfte beim Blick ins Pfarrdienstgesetz dann doch schwindelig werden. (Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: In §39 (Ehe und Familie) findet sich immer noch der lapidare Satz: „Ehepartnerinnen und Ehepartner sollen evangelisch sein, sie müssen einer christlichen Kirche angehören.“ Ach die Ausführungen zur Erreichbarkeit werden nicht unbedingt für Erheiterung sorgen.)
Interessant ist in unserem Zusammenhang der wenig beachtete §40 „Verwaltungsarbeit“: „Pfarrerinnen und Pfarrer haben die ihnen obliegenden Aufgaben in der Verwaltung, der pfarramtlichen Geschäftsführung, der Kirchenbuchführung und in Vermögens- und Geldangelegenheiten sorgfältig zu erfüllen.“ kirchenrecht-ekir.de
Betrachtet man die Ordinationspraxis der Evangelischen Kirche im Rheinland, die sich wesentlich von der anderer Landeskirchen unterscheidet, ist folgendes Szenario möglich: Die vielen anderen ordinierten Berufsgruppen (Diakone*, Gemeindepädagogen*, Jugendleiter*) und die ehrenamtlich Ordinierten (Prädikanten*) nehmen die öffentliche Verkündigung und Sakramentsverwaltung vermehrt war.
Das ist nicht negativ zu bewerten, auch wenn es mit dem viel zitierten „allgemeinen Priestertum“ nichts zu tun hat. (Das wäre ein Thema für einen weiteren Blogeintrag.) Es kann sich sogar positiv auf Predigt und Seelsorge auswirken, weil eine „Theologie des Lebens“ nicht notwendig eine akademisch theologische Bildung voraussetzt. Allerdings findet die so wahrgenommene Beauftragung kostengünstiger statt und zudem unter Ausschluss von §40 Pfarrdienstgesetz. Das kann dazu führen, dass pfarramtliche Tätigkeit in der Kirchengemeinde zu einer Art Geschäftsführer Tätigkeit verkommt. Jedenfalls sind die Klagen über eine solche Tendenz -nach meiner Wahrnehmung- in den letzten 20 Jahren immer lauter geworden. Wird dazu noch die Losung „missionarisch Volkskirche sein“ ausgegeben, kann das dazu führen, dass das Pfarramt für die Aufrechterhaltung der Volkskirche verantwortlich (und damit auch ausgelastet!) ist und die missionarische Komponente -und damit auch das Nachdenken über die Zukunft der Kirche- nicht mehr in das Aufgabenfeld gehört. Auch das wäre keine Katastrophe, aber es wäre redlich die Imagekampagnen für den Pfarrberuf entsprechend anzupassen. Ob das allerdings zu den gewünschten Effekten führt, bleib abzuwarten.
Auch wenn ich der eingangs zitierten Fragestellung „Mein Bild von Kirche“ manchmal überdrüssig bin, dann nicht weil ich sie für obsolet halte, sondern weil so wenig von den bunten Bildern aus dem Katalog Einzug in das „Produkt“ findet. Sollte die Kirche der Zukunft „Produktmanager“ statt „Geschäftsführer“ suchen, ich würde noch einmal mit dem Theologiestudium/Vikariat beginnen. Versteht sie unter „Schlüsselberuf“ auch noch Schließdienste, würde ich es beim Studium belassen.
Menschen, die neugierig auf Veränderungen sind, werden überall gebraucht.
Glück auf!