Allgemein

Predigt zur Konfirmation Jes.40,31

Kommunikation ist nicht immer einfach. Das weiß jeder mit dem Familienleben vertrauter Zeitgenosse. Also auch Sie, die Sie heute in diese Kirche gekommen sind. Kommunikation ist nicht immer einfach, obwohl uns doch immer mehr Kommunikationsmittel in Form von Digitalen Anwendungen zur Verfügung stehen.

Diese kleinen Helferlein haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie geben regelmäßig Töne von sich.Als Papa reagiere ich darauf oft gereizt. Ein Gegenmittel dazu ist die Verwendung eines Kopfhörers. Das hat den Vorteil, dass die Töne aus dem gerät nicht mehr nach außen dringen, hat aber den entscheidenden Nachteil, das die Kopfhörer tragende Person –meist eines der Kinder- auch nicht mehr ansprechbar ist. Auch das führt wiederum zu Gereiztheit meinerseits. Vielleicht kennen Sie das aber auch aus eigener Anschauung.

Wir merken: Gelingende Kommunikation ist schwer. Oft erscheint sie geradezu unmöglich.
Diese Erfahrung allerdings ist keine Erkenntnis der Neuzeit. Die Bibel ist voll von Geschichten, die erzählen wie schwierig es ist sich zu verstehen.
Noch schwieriger ist es, wenn es um die Kommunikation zwischen den Menschen und Gott geht.

In der zurückliegenden Zeit des Konfirmationsunterrichts, haben wir –die Konfirmandinnen und Konfirmanden und ich- uns auf Spurensuche begeben, wie es ist, wenn Gott sich auf den Weg zu uns Menschen macht.
Wir haben Geschichten gehört, die Jesus von Gott erzählt. Wir haben sie nacherzählt, nach gespielt und wir haben –zum großen Leidwesen der meisten- Texte der Tradition auswendig gelernt, die davon erzählen, wie Gott sich den Menschen mitteilen will. Was sich in vielen dieser Texte ausdrückt –nach vielen hin und her- am Schluss ist glasklar, worum es geht.Die Botschaft ist angekommen. Oder um es in der Sprache der Unternehmens Kommunikation zu sagen: „Wir haben verstanden!“

Wenn ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden das formulieren solltet, würde das vermutlich folgendermaßen klingen: „Läuft bei dir!“

Wenn es „läuft“, ist alles gut.

Dass es sich bei der Formulierung um eine Übertragung handelt, wird spätestens dann deutlich, wenn man sich anschaut, wie es bei Euch läuft:

I.) (Longboard holen und zeigen)

Manchmal läuft es lang!
Dann, wenn man schnell voran kommen mag. Zum Beispiel zum Konfiunterricht.
So ein Longboard ist wenig wendig. Es hat ein klares Ziel vor Augen, auf das es zuläuft.
Richtige Kurven sind nicht möglich, allenfalls einige wenige Richtungskorrekturen.
Wer ein solches Board besitzt, für den ist der Weg das Ziel. Auf langen Wegen dahin gleiten. Auch wenn es im richtigen Leben oft nur der Weg zum MacD nach XY ist…

Im übertragenen Sinn kann dieses Sportgerät deutlich machen: Es ist wichtig das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Es braucht Richtung im Leben, es braucht Orientierung.Selbst ein Navigationsgerät ist nutzlos, wenn man nicht weiß, welches Ziel man eingeben soll.

II.) (Wake Board holen und zeigen)

Das Gegenteil zum Longboard ist diese Gerät hier: Auf diesem Wake-Board, kommt man nur voran, wenn man „wackelt“. Durch seine biegsame Form in Verbindung mit sich auch noch drehenden Rollen, kommt man erst in Fahrt, wenn man durch Bewegung aus Hüfte und Knie den richtigen Dreh raus hat.

Oft ist es im Leben so wie auf dem Wake-Board. Bis man die richtige Spur gefunden hat, dauert es etwas. Schon das Aufsteigen ist mit Übung verbunden. Und möchte man vom Fleck kommen, muss richtig Energie auf die Rollen gegeben werden. Aber läuft es erst einmal sind auch hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich. Wenn man es kann macht es wirklich Freude, jedenfalls solange man jung, gelenkig ist über hohe Kraftreserven verfügt.

Beim Propheten Jesaja heißt es einmal
„Alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen.“ Jes. 40,31

Die Propheten waren in Israel Menschen, die genau hinsahen und die sich zu Wort meldeten, wenn es überhaupt nicht gut lief.Sie sagten offen, was ihnen an Ungerechtigkeit in der Gesellschaft auffiel und sie wiesen daraufhin, dass der Verlust einer Beziehung zu Gott gravierende und oft sehr schlimme Folgen haben kann.Dafür wurde ihnen kein Beifall geklatscht. Im Gegenteil. Viele führten ein äußerst entbehrungsreiches Leben, manche starben sogar an der ihnen übertragenen Aufgabe.

Wenn so jemand von neuer Kraft spricht, die aus dem Vertrauen auf Gott entsteht, ist mehr gemeint als dass einem durch ein Kaltgetränk Flügel verliehen werden.

Gehen und nicht müde werden. Das Ziel vor Augen und Kraft in den Beinen, das wünschen wir alle, so wie wir heute hier sind, Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.Und wir wünschen Euch selbstverständlich, dass es „läuft“ bei euch und ihr nicht auf dem beginnenden eigenständigen Weg zusammenbrecht.
Für den Fall, dass ihr doch einmal mehr als nur ein Brett unter den Füßen braucht, gibt es übrigens auch noch ein Sportgerät:

III.) (Stuntscooter holen und zeigen)
Für gebrechliche und ältere Menschen wie mich—ist so ein Stunt Scooter nichts, auch wenn er einen Haltegriff-spricht Lenker hat.Das sagt ja schon der Name: Stunt- Stunt kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie „besonders geschicktes oder gewagtes Kunststück“.Für solche Wagnisse seid ihr in eurem Alter besonders offen. Es gibt immer etwas Neues auszuprobieren. Es gibt immer etwas, was ihr noch nicht gemacht, gedacht oder gar durchgeführt habt.

Da ist es von Vorteil, wenn man sich dann und wann abstützen kann. Ja es ist sogar möglich sich mit einem kurzen ziehen am Lenker den Roller wieder an die Füße zu ziehen, um eine halbwegs geordnete Landung hin zu bekommen. Auch wenn es euch natürlich danach gelüstet möglichst lange in der Luft zu bleiben. Ihr wisst freilich: Irgendwann muss man wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, auch wenn es schwer fällt.Denn ein guter und beflügelter Lauf, der hat schon was. Und weil es nicht einfach ist von solch einem Ausritt wieder runter zu kommen, ermutig ihr euch gegenseitig indem ihr euch gefühlte 30 mal am Tag zuruft: „Jetzt chill doch mal, Alter!“

Der Höhenflug als Dauerzustand ist keine gute Wahl. Es ist gut, wenn man weiß, dass es festen Boden unter den Füßen gibt. Einen der trägt.
Der christliche Glaube ist solch ein fester Boden. Er versteht sich als eine Lebenshaltung, die danach fragt wer ich vor Gott bin und was das für mein Verhalten zu meinen Mitmenschen bedeutet.
Der evangelische Glaube zeichnet sich nun in besonderem Maße dadurch aus, dass er mehr Fragen stellt, als Antworten gibt. Das ist oft anstrengend.
Das Gegenteil davon –nämlich auf alle Fragen eine letztgültige Gottes Antwort zu haben, ist nicht nur gefährlich, sondern geradezu kriminell.Das kann man an der aktuellen Weltlage genauso ablesen, wie bei einem Blick in die Kirchengeschichte.

Darum zum Schluss eine Frage!

IV.) (Custom Board holen und zeigen)
Was ist das?
Ja, das ist schwierig zu beantworten. Vielleicht ist heute jemand hier, der sich auf Marketing versteht.Dann würden wir ein Team zusammenstellen, das Ding müsste selbstverständlich einen Namen haben und wir würden eine Strategie entwickeln das neue Produkt möglichst breit unter die Leute zu bekommen. Ist das Produkt dann unter den Leuten und hat es jede und jeder, fängt alles von vorne an.
Ist das Produkt aber erfolgreich, lässt man es besser am Markt. Customizing kommt dann auf den Plan.
Das fängt bei der Smartphone Hülle an, geht an Boards wie diesem hier nicht vorbei und endet eigentlich niemals.

Auch beim christlichen Glauben nicht!

Man könnte sogar sagen: Der evangelische Glaube ist so etwas wie Custom Culture schlechthin.
Es wird in unserer Kirche gedacht, geschraubt, probiert und oft genug wieder verworfen. Sie lebt vom Mitmachen und wo viele Mitmachen passieren Fehler. Und das ist gut so.Denn wo keine Fehler gemacht werden, geht es unmenschlich zu!
Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden wünsche ich einen guten Einstieg in die Customer-Phase eures Lebens. Macht euch auf in die weite Welt der Möglichkeiten, die Gott euch schenkt.
Bleibt geschmeidig, damit Ihr immer wieder auf die Füße kommt, wenn ihr große Sprünge vorhabt.
Und denkt dran:
Vor Gott müsst ihr keinen  Eindruck hinterlassen.
Er gibt neue Kraft, es wachsen euch Flügel wie dem Adler. Ihr geht und werdet nicht müde, ihr lauft und brecht nicht zusammen.

Vertraut auf ihn.