Predigt

Ladekabel, Monster, Chips und Ps139

Es ist Dienstag 17.00 Uhr. Ich betrete den großen Konfirmandenraum. Nein, halt, es ist 17.07 Uhr und ich betrete den Konfirmandenraum. Vor mir: 18 Jugendliche mit gefühlten 24 Smartphones! Es gibt kein Verbot, solange sie während der nun folgenden Stunde nicht angerührt werden. Das klappt.
Mal mehr mal weniger. Dann lasse ich das Kollektenkörbchen rumgehen und habe danach eine ansehnliche Mobile Kollekte. Allerdings nur als Leihgabe.
Es fällt sichtbar schwer sich von diesem „Körperteil“ zu trennen. Zu wichtig, was dort auf dem Display passiert. Zu viele Möglichkeiten sich mit ein und demselben Gerät zu entspannen und Spannung zu erzeugen, indem man und auch frau Nachrichten in die weite Welt sendet. Aber wehe! Wehe der Akku steht bei 3%. Panik bricht aus. Schweissnasse Hände drohen das Gorillaglas beschlagen zu lassen. „Hat jemand ein Ladekabel für ein… dabei?“ Meistens wird verneint, dann ist kurzzeitig Ruhe, jedenfalls bis die nächste Steckdose bereit ist die nötige Energie herzugeben.

Ohne Energie, ohne Strom geht nix. Gar nix mehr. Vor allem kein lebenswichtiges Internet.
Strom ist immer und überall da. In unserer digitalen Gesellschaft ist er sogar immer wichtiger geworden in den letzten Jahren.

Im 139 Psalm heisst es: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Würde der Psalmbeter heute sagen: „Gott, du Strom unseres Lebens! Das Ladekabel und WLAN Anschluss unserer Wirklichkeit, DU und nur du bist Ursprung unserer Möglichkeit.
Bist Bedingung der Möglichkeit von Kraft, Power und Kommunikation?“ Von allen Seiten will Gott uns umgeben. Wie Heimisches WLAN oder Internetverbindung über den Stromnetzadapter. Nicht so, dass wir uns bedrängt von ihm fühlen müssten, sondern so, dass er uns den nötigen Halt, die nötige Informationssicherheit und damit auch Geborgenheit schenkt, damit wir gestärkt und nicht desorientiert durchs Leben gehen. Ohne Strom und Netz droht heute Chaos. Im Kleinen, wenn das Ladekabel fehlt. Im großen, wenn die Kommunikation ausfällt.
Kommunikation nicht abbrechen lass. Auch mit Gott nicht. Dazu ruft der Psalmist auf, wenn er an den Gott erinnert, der uns umgibt und uns durchströmt.

Es ist inzwischen 17.09 Uhr am Dienstag Nachmittag. Die Handy sind eingesammelt. Was bleibt ist der Anblick von Energy Drinks.
Ohne Energie ist der Akku für nix gut. Ohne Koffein, Taurin, grünen Tee und flüssige, aufgeweichten, verquollenen Gummibärchen Sud, will auch der ermattete Konfikörper nicht mehr folgen. Entscheidendender Nachteil: Mann, also vor allem die kleinen Männer, – werden hibbelig. Das wiederum verlangt nach Abregung durch zocken, was wiederum nach Energie verlangt, die wiederum abgebaut werden muss.

Am geschilderten Kreislauf wird zweierlei deutlich: Freiheit ist anstrengend und Zwang ist einfach. Wer Bewegungsfreiheit erlaubt, wird mit größeren Problemen konfrontiert, als der, der in einem geschlossenen Raum lebt. Kurzfristig jedenfalls. Gott möchte unsere Freiheit. Aber nicht einschränken, sondern er möchte sie ermöglichen. Gott geht sogar soweit, dass er sagt: Freiheit erfahrt ihr wirklich erst im Glauben. Erst dann, wenn ich euch frei mache. Frei machen von allen Wünschen, von denen ihr meint sie würden euer Leben lebenswert und reich, energiegeladen machen.

Die ersten Jünger ließen für diese Freiheit sogar ihre Netze zurück. Sie ließen alles, was ihnen Halt, berufliche Grundlage und Existenz bedeutete zurück, um in der Gemeinschaft mit Jesus Freiheit zu finden. Im gemeinsamen Leben mit Jesus fanden sie Erfüllung und Ordnung für ihr Leben. Eine die so Energie geladen war, dass der jeweils neue Kick gar nicht mehr zum Leben nötig war. Allenfalls zu Ablenkung, die auch hier und da mal sein muss.
Gott möchte diese Energie in unser Leben bringen. Nicht die Energie glühender Ladekabel und ansehnlicher Dosengetränke. Gottes Energie für unser Leben ist von der Gestalt, dass er weiß, was für uns gut ist. Er möchte, dass wir unterscheiden können, was wichtig und was unwichtig in unserem Leben ist. Weil er uns kennt, weiß er auch, was wir am nötigsten haben. Gott ist einer, der „versteht“, wie es im Psalm heißt. Gott bevormundet uns nicht, wenn er mit uns an der Hand durchs Leben geht, sondern er versteht uns. Auch in unserer Sorge nach dem richtigen Saft.

Von Saft allein kann man allerdings nicht leben. Und enthält der auch noch soviel Energie spendenen Zucker.
Gott will „Schwarzbrot für unser Leben sein.“ Hat in etwa der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche auf dem Zukunftskongress gesagt, der gerade im Ruhrgebiet stattfindet. Euer Schwarzbrot, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden sah ich dienstäglich um 17.10 Uhr vor mir (5kg Chips!) Damit sollte man aber wohl nun wirklich durch den Tag kommen, oder? Gewiss, Energie ist fast alles und in eurem Alter hat man davon so viel, dass eure Eltern manchmal ganz neidisch werden.

Nun haben die drei genannten Energie Beispiele eins gemeinsam: Sie bringen schell verbrauchte Energie zurück, die allerdings auch schnell wieder verfliegt. Daher der immer gleiche, elterliche Rat mit dem Schwarzbrot. Der 139 Psalm ist eine Erklärung der Schwarzbrot-Freundschaft Gottes. Es werden auch Zeiten kommen, wo Ladekabel, Taurin und Chips-Krümel zu Nebensächlichkeiten verkommen. Da wird dann wirkliche Freundschaft wichtig. Die gibt’s zwar auch mit dem Handy, aber es ist noch kein Fall bekannt geworden, wo ein Gerät die Arme ausgebreitet und jemanden getröstet hätte. Genau das aber hat der Beter des 139 Psalm erlebt: Gott breitet die Arme aus um uns Menschen zu umarmen. Da sein, wenn’s Dunkel wird und alle Energie sich verflüchtigt hat. Er gibt uns das, was wir zum Leben brauchen. Seine Hand hält uns, wenn alle Energie verpufft sein sollte. Über und unter und neben uns. 

Ich wünsche euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihr heute von allen die euch wichtig sind aufgeladen werdet.
Notfalls sogar mit aller Energie gedrückt aber nicht bedrückt. Ich wünsche euch, dass ihrüber diesen Tag hinaus auch die Kraft zum Leben findet, die euch Halt und Gehalten Sein gibt. Als Menschen die von Gott aufgeladen werden sind, und die er bereit ist immer wieder aufzuladen. Geht in seiner Kraft. Mit seiner Ladung. Gestärkt und voll. Voll Freude, voll Mut, voll Hoffnung. Geht in Gott geborgen. Mit seinem Segen gestärkt.

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