Allgemein

Gott nahe zu sein ist mein Glück!

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, neigen wir zur Besinnung.
Besinnliche Tage am Weihnachtbaum und zwischen den Jahren.
Planungen gemacht, Vorsätze gefasst. Mache mehr manch einer weniger.
Überforderung soll nicht sein.
Und dann ist er da dieser 1.Januar, an dem das Jahr noch frisch und unsere Pläne noch hoffnungsvoll scheinen.
Doch je weiter die Zeit voranschreitet, desto unweigerlicher merken wir, dass ein unbekümmerter Neuanfang in unseren Gewohnheiten es schwer hat. Mit Daten und Zahlen lässt sich ein Neuanfang offenbar nicht herbei zählen. Dazu bedarf es etwas anderem. Etwas, dass uns nicht festhält und belangt, so wie wir es selber tun, sondern einer, der uns Freiheit schenkt von uns selber und unseren selbst gemachten guten Vorsätzen.
Zum Glück unterbricht Gott uns durch Gelegenheiten.
Durch Feiertage mitunter auch. Aber er unterbricht uns bisweilen mit Gelegenheiten, deren Tragweite wir im jeweiligen Augenblick gar nicht ermessen können. Und im Vorhinein erst recht nicht. Wir sind überrascht. Aber nicht peinlich berührt, so wie wenn wir uns ertappt fühlen. Vielmehr ist es eine angenehme, eine freundliche und oft auch eine willkommene Unterbrechung, die Gott uns gewährt. So eine Unterbrechung kommt meistens unverhofft. Kommt und packt uns so, dass wir ein neues Packende bekommen, eine neue Perspektive einnehmen können oder neue Weg einschlagen. Je überraschter wir sind, desto größer kann unserer Wandlung sein.
Der Psalmbeter, aus dessen Lied die Jahreslosung für 2014 entnommen ist, weiß von solchen Wandlungen in der Tat zu singen.Dem kommt man allerdings erst dann auf die Spur, wenn man der nicht weichgespülten Übersetzung der Jahreslosung Raum zu geben bereit ist. Offiziell lautet die Jahreslosung aus dem 73. Psalm: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ (V28.)  Von dort ist es auch nicht mehr weit bis hin zur Aussage: „Gott macht glücklich!“ ist es dann nicht mehr weit. Allerdings zu Unrecht! So weit kann der Psalmbeter wirklich nicht gehen. Im Gegenteil!
Er weiß ein vollkommen anderes Lied zu singen. Eines das überhaupt nicht glücklich klingt.  „Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten.“ „Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt. Sie achten alles für nichts und reden böse, sie reden und lästern hoch her.“ „Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken? Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.“ 
Von wegen „Gott macht glücklich!“
Im Kontext der Jahreslosung hört man den Beter mehr als einmal klagen. Seine Anfechtungen sind groß.
Heute würde wohl gesagt werden: Er wird mit dem, was um ihn herum passiert „nicht fertig“. „Verzweifeln“ – das sagt man nicht mehr gerne.„Nicht fertig werden“ klingt mehr nach „bearbeiten“, also nach Subjekt sein, es selbst noch in der Hand zu haben, nicht der Situation ausgeliefert zu sein. Denn das, das wäre schlimm. Ganz schlimm: Wenn ich mir eingestehen müsste, dass mit mir etwas geschieht, dass ich selbst nicht im Geringsten beeinflussen kann.
Aber genau so geht es dem Beter in unserem Psalm.
„Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da“ sagt er. Und weiter: „Als es mir wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren, da war ich ein Narr und wusste nichts, ich war wie ein Tier vor dir.“
Doch dann, wir wissen nicht warum, woher und wie es geschieht, passiert ein Umschwung: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“
Und dann kommt die Jahreslosung: In der Übersetzung Martin Luthers klingt sie so:
„Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.“ Ein großes „Dennoch“ bringt der Psalmbeter hervor. Einen Aufschrei gegen die Hoffnungslosigkeit und dass man sich Abfinden müsse mit dem wie es ist.
„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand“
Das widerständige „Dennoch“ führt zu Freude an Gott. Nicht hilflos dem Schicksal ausgeliefert zu sein, sondern zu Wissen, das alles was uns widerfährt aus der Hand Gottes kommt, -das ist die tiefe Überzeugung des Psalmisten. Er nimmt uns hinein in die Glaubenserfahrung unzähliger Generationen vor uns, dass wir alles aus der Hand Gottes nehmen. Auch wenn es drohend, schwer und manchmal nicht zu tragen ist, ist es dennoch keine Hand, die schlägt, sondern eine Hand die hält.
Das ist der Grund warum von Freude an Gott geredet werden kann. Denn dieses Glaubenswissen ist ein Vertrauen das Zuversicht ausstrahlt.
Es soll weitererzählt, also „verkündigt“ werden, „all sein Tun“. -Also Gottes Handeln an uns Menschen, der uns eben nicht fallen lässt, auch wenn wir beim Blick um uns herum oder auf uns selbst den Eindruck gewinnen könnten: Alle Mühe des Lebens lohnt nicht!
Die Sprache des Glaubens mag auch die Töne der Verzweifelung anschlagen. Aber der Chor der Hoffnung wird lauter sein.

Foto: K. Dahl

Foto: K. Dahl