Monate: Oktober 2013

Mittelfinger OK, Zeigefinger Nein Danke! Mi.6-6-8

Der posende Mittelfinger ist salonfähig geworden. Wer Wahlen gewinnen will muss vor derartigen Gesten nicht zurückschrecken. Vermutlich hätte es aber auch ohne ihn nicht zum Wahlsieg gereicht. Der erhobene Zeigfinger dagegen ist nach wie vor unerwünscht. Schnell wird er dem Pastor oder Priester zum Verhängnis, sobald er in Gebrauch ist. Der Predigttext für den kommenden Sonntag klingt ein wenig nach Zeigefinger: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert…“ „Danke, Gott, ich komme ohne dich (und vor allem ohne dein Bodenpersonal) sehr gut zurecht!“ –das antwortet wohl der heutige Mensch, wenn die Gottesrede auf ihn treffen würde. Mit dieser Antwort beweist er aber genau das Gegenteil. Denn ohne auf das Wort des Schöpfers zu hören, ist der Mensch sehr schnell erschöpft. Statt Empörungswellen zu befeuern und Petitionen zu zeichnen, wäre Demut eine neu zu lernende Aufgabe. Und Liebe üben gegenüber dem Nächsten statt Rechthaberei sowieso. Gott erhebt übrigens nie den Zeigefinger. Er erinnert aber daran, in welche Richtung sein Weg weist (V4): Aus der Knechtschaft in die Freiheit.

Joh.15,9-17 und falsch verstandene Liebe

Es gibt sie nicht oft, aber es gibt sie. Missverständnisse biblischer Sätze, oder besser gesagt Missinterpretation biblischer Aussagen. Beim Predigttext für den kommenden Sonntag aus dem Johannes Evangelium haben wir es mit einer sehr prominenten Fehldeutung zu tun: http://www.ekir.de/url/5gq „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“. Dieser Satz ist noch heute auf Gedenktafeln für Gefallene im Ersten Weltkrieg zu lesen. Der Tod für das Vaterland und der Opfertod Jesu werden so parallelisiert; zu Unrecht. Darauf hat einst der Theologe Günther Dehn hingewiesen. Sein schlichter Hinweis (1928) verhinderte für lange Zeit seine Berufung zum Professor für Praktische Theologie. http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Dehn Dabei hätte ein Blick auf den vorangehenden V 12 genügt zur Verdeutlichung: „Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“. Diese Liebe fällt nicht ruhmreich im Kampf, sondern überwindet Fronten und Gräben. Deine Liebe, Mensch, hat Grenzen, aber: Gott ist die Liebe (1. Joh 4,16).

Menschen haben Vorfahrt, nicht die Kirche!

Darf man die Möhren vom Erntedank Altar verzehren? Auf den ersten Blick könnte es so scheinen, als ob der Predigttext aus dem Markusevangelium (2,23-28) eine Antwort auf die Frage zu geben versucht. Aber es geht nicht um Möhren oder „Schaubrote“; es geht auch nicht darum, was an einem Feiertag erlaubt ist zu tun, oder was sogar zu unterlassen ist. Es geht um weit mehr: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbats willen“. In seiner letzten Zuspitzung erklärt Jesus alle Vorschriften und Gesetze, selbst jegliche Institutionen, und damit auch „die Kirche“ zu Instrumenten, die dem Menschen dienen sollen. Tun sie das nicht, erfüllen sie nur noch einen Selbstzweck, sind sie überflüssig geworden. Am Ende der Geschichte steht übrigens ein Eklat. Kein Kompromiss und keine Win-Win-Situation. Danke Jesus, für klare Worte!

Das „liebe Jesulein“ wird etwas grantig. (Mt.6,19-23)

Die Erntekronen sind fertig gebastelt. Am Sonntag ziehen die Kindergarten Kinder damit geschmückt, den Handkarren mit Gemüse und Obst gefüllt, in die Kirche ein. Und dann kommt Jesus und macht alles kaputt! „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.“ (Mt. 6,19) Das „liebe Jesulein“ wieder einmal grantig? Ich denke: Ja. Und es wird nicht helfen, die Grantigkeit aus dem Predigttext des kommenden Sonntags irgendwie beschwichtigend herausbringen zu wollen, auch wenn V.25 „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ nicht mehr zum Predigttext gehört. Jesus, wie Matthäus ihn uns zeigt, meint es ernst mit dem Downshifting: „Weniger ist mehr“! Jeder Spiritualisierung dieses Gedankens muss entschieden widerstanden werden. Denn Reichtum bindet das Herz und macht unfrei. Feiert mal Erntedank, in dem Ihr etwas lasst. Dann fällt vielleicht sogar das Danken einfacher.