Monate: September 2013

„Darf es etwas mehr sein?“ „Mehr als zehn Gebote?“

„Darf es etwas mehr sein?“ Das hört man gerne in der Metzgerei. „Du sollst nicht so viel Fleisch essen“, das klingt dagegen nach Bevormundung, erst recht, wenn auch noch der fleischlose Tag festgelegt werden soll. „Du sollst nicht“ – das höre ich eigentlich nie gerne. Es klingt nach Verbot. Nach Tempo 70 auf der Landstraße und Nutella Verbot auf dem Brot. Im Predigttext für den kommenden Sonntag ist dieses „Du sollst nicht“ oft zu hören. 2.Mose 20,1-17 . Schließlich sind die 10 Gebote immerhin dem Sprachstil nach bekannt. Dabei hat das hebräische gar kein Äquivalent zur deutschen Übersetzung. Vielmehr konkretisieren die zehn Weisungen die eine große Zusage Gottes: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat. Darum wirst du keine anderen Götter neben mir haben. Du brauchst sie nicht. Du brauchst kein Bildnis, du wirst deshalb nicht…“ Auf Befreiung gründen die Gebote, nicht auf Bevormundung. Deswegen dürfen es manchmal auch ein paar mehr sein.

Richten oder retten? Joh.9,35-41

Richten oder retten? Blind oder sehend? Unglaube oder Glaube? Gesandter oder Menschensohn? Das alles und noch viel mehr steckt in der Perikope für den kommenden Sonntag aus Joh. 9,35-41, die aus sich selbst heraus kaum verständlich ist und dazu nötig das gesamte neunte Kapitel zu lesen. Darüber hinaus darf die Perikopen- Kommission gefragt werden… aber lassen wir das! http://www.ekir.de/url/rWY Meinen Platz in der Geschichte finde ich schnell: So wie der Geheilte soll auch mein Bekenntnis klingen. Ich möchte auf der guten, richtigen Seite stehen. Nicht auf der Seite derer, die Irren und Lebenslügen verbreiten. Wenn das doch so einfach zu meistern wäre! Sehend und doch blind? Das kommt mir bekannt vor. Schließlich bin ich nicht in der Lage tagtäglich einen neuen Standpunkt mit einer vollkommen neuen Sicht auf das Leben einzunehmen. Vieles entgeht mir dadurch. Vielleicht läuft sogar entscheidend Wichtiges an mir vorbei. Ich schlage noch einmal einige Kapitel zurück: Joh.3,17. http://www.ekir.de/url/xWs Wenn ihr das neunte Kapitel nicht ganz lesen wollt: Dieser eine Vers tut es auch. Nicht nur für kommenden Sonntag.

Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsre Tränen klaut (Lk. 7,11-16)

„Nicht weinen!“ sagt Jesus im Predigttext für den kommenden Sonntag. Er sagt es zu einer Witwe, die ihren einzigen Sohn verloren hat. http://www.ekir.de/url/gHv Nicht weinen, wenn alles aus den Fugen gerät, kein Stein mehr auf dem anderen bleibt und die Bilder des Grauens sich tief einnisten? Wie kann da ernsthaft gefordert werden, dass keine Träne geweint werden darf? Ich höre die Rufe: „Nein zu Nain! Wie sind hier, wir sind laut, weil man unsre Tränen klaut.“ Ich könnte einstimmen, wenn es eine phantastische Geschichte seelsorgerlichen Versagens wäre. Beim ersten Lesen und vielleicht sogar beim zweiten mag sich diese Betrachtung einstellen. Dennoch ist ein Perspektivwechsel möglich: Es gibt Worte, die aus Menschenmund gesprochen nur Unheil anrichten. Es gibt aber auch Worte, die allein dem überlassen sind, der alles ins Dasein rief. Wenn er sie spricht dann geschieht’s. ER macht, dass die Gegenwärtigkeit des Todes uns nicht die Dankbarkeit für das Leben raubt.

Ein Fitzelchen an Glauben reicht Lk 17,5-6

Espresso muss klein, stark und schwarz sein. Ab und an braucht man aber einen großen Milchkaffe zu Stärkung, da reicht kein einfacher und auch kein doppelter Espresso. Da muss es mehr sein. Einfach größer. Auf Stärke kommt es in diesen Momenten nicht mehr an. Eine große Tasse muss her. Die Milchhaube soll auch am Nachbartisch noch sichtbar sein. So ging es den Jüngern im Predigttext für den kommenden Sonntag http://www.ekir.de/url/ppw Sie wollen großen, mächtigen Glauben. Einen der wirkt, einen, der auch nach außen etwas her macht. Jesus meint: „Tut nicht nötig! Glaube so groß wie ein Senfkorn reicht. Er reicht für die Aufgaben, die vor euch liegen, mehr muss es nicht sein. Also: Kopf hoch so groß wie ein Senfkorn, solch einen Glauben habt ihr allemal!“ Martin Luthers Ausspruch kann gar nicht oft genug zitiert werden, wenn es um den Glauben geht: „Das christliche Leben ist nicht ein Fromm sein, sondern ein Fromm werden, nicht ein Gesundsein, sondern Gesund werden, überhaupt nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind’s noch nicht, …