Monate: Juli 2013

Mehr als glücklich kochen Mt. 13, 44-46

Das Glück hat Konjunktur. Jedenfalls wenn es um die einschlägige Ratgeber Literatur geht. Bis hin zu „Glücklich Kochen mit Ayurveda“ ist alles dabei. Selbst der Titel „Gott macht glücklich“ ist verfügbar. Der Predigttext für den kommenden Sonntag http://www.ekir.de/url/FPk bringt zum Thema einen ganz eigenen Beitrag, durch zwei kleine Gleichnisse, die Jesus erzählt. Eines handelt von einem Schatz, das andere von einer Perle. Beim genaueren Hinsehen jedoch geht es um das Handeln des Kaufmanns und des Mannes auf dem Acker: Beide werden ergriffen. Mitten in ihrem Alltag. Ihr Herz schlägt höher, sie haben nur noch eins im Sinn: Das Glück, der Schatz, die Perle müssen gepackt und genutzt, gekauft, gehoben werden. Jesus spricht in diesen Gleichnissen vom „Reich Gottes“ und meint, dass Gott sich schon jetzt und hier finden lässt. Nicht erst am Ende der Zeit, sondern mitten unter uns ist dieser glückliche „Umstand“ „begreifbar“. Dafür setzen die Protagonisten im Gleichnis alles auf eine Karte. Aus heutiger Sicht würden wir urteilen, dass sie ihr Ziel geradezu fanatisch verfolgen. Richtig daran ist: Wenn Gott dem Leben plötzlich …

Kausalität kennt keine Gnade Joh.9,1-7

Kausalität kennt keine Gnade, sonder beschreibt nur die Beziehung zwischen „Ursache“ und „Wirkung“. Theologisch galt lange Zeit das Modell: Irgendeinen Zusammenhang zwischen verwerflicher Tat (Sünde) und schlechtem Ergehen (Strafe) muss es doch geben. Im Predigttext für den kommenden Sonntag Joh.9,1-7 wird dieser Zusammenhang bestritten: Es geht nicht um Schuld, nicht darum jemanden abzustempeln, sondern es geht im Leben darum, dass ich eine neue Chance bekomme, weil Gott nicht bei Schuld behaftet, sondern zum Leben befreit. Die „Werke Gottes“ eröffnen Wege ins Leben und verschließen sie nicht. Sie ermöglichen Freiheit und führen nicht in Abhängigkeit. Das geschieht in der Zuwendung Gottes, der keine Bedingungen stellt, nicht mal nach „Glauben“ fragt Jesus in der Erzählung. Er tut das notwendige. Darin wird Gottes Liebe „offenbar“.

Share Economy und die Speisung der 5000

Der Predigttext für den kommenden Sonntag könnte als Urereignis einer Share Economy Bewegung gesehen werden. In LK 9, 10-17 http://www.ekir.de/url/hXv würde es sich dann um einen many-to-many Teilprozeß handeln. Rezipienten werden zu Distributoren, ganz so, wie wir das aus dem Web 2.0 kennen. Auch über den „share-button“ hinaus ist der Trend Gebrauchsgüter gemeinsam zu nutzen sehr verbreitet: Carsharing, Booksharing, Gardensharing… Die Liste ließe sich um ein vielfaches erweitern. Die Grundfrage des „Wozu?“ ist meist schnell beantwortet: Wissen und Wohlstand soll vermehrt, Hunger gestillt werden. Das Speisungswunder dient als ausgewiesener Hinweis auf die Vollmacht Jesu in der sein Auftrag geschieht. Viel mehr als das „eigentliche Wunder“ beeindruckt mich, dass eine sehr große Menge von Menschen zusammenkommt in der Erwartung etwas neues zu Hören, dass ihr Leben verändern kann. Das Gehörte ist offenbar für sie von solcher Bedeutung, dass ein knurrender Magen nicht zu einem vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung führt. Es müssen Lebensworte sein, die das bewirken. Worte gegen Beziehungslosigkeit und Endgültigkeit. Wenn du mehr zum Leben brauchst als Brot und Fisch: „share this“.

Ace Knute Simpson und Jesaja 43,1-7

Wenn Ace Knute Simpson getauft werden wird, bekommt er keinen Namen. Den hat er seinen Eltern zu verdanken. Bei der Taufe wird noch ein zweiter Name genannt, der weitaus wichtiger ist: Jesus Christus. In seinem Namen wird eine Verbindung hergestellt, die ein Leben lang und darüber hinaus gilt. Daran erinnert der kommende, 6. Sonntag nach Trinitatis, der als Taufgedächtnis gefeiert wird. Der Predigttext aus Jesaja 43 1-7 hat Worte Gottes an sein Volk zum Inhalt, die seine Beziehung zu dem im Exil lebenden Israeliten benennen: Erlöst sind sie und gehören zu Gott, denn Wertschätzung und nicht Furcht soll der Maßstab der Liebe sein. Gott geht mit, durch Feuer und Wasser, durch dick und dünn. Diese Worte über einen Tauferinnerungsgottesdienst zu setzen macht Sinn. Denn: Gott ruft uns bei unserem Namen, ob wir ihn mögen oder nicht. Darauf kommt es auch gar nicht an. Denn: „Durch die Taufe gehörst du zu mir“, sagt Gott. „Ich habe dich lieb! Du musst nichts mitbringen, nicht mal einen Namen, der allen gefällt.“

Die Kirche darf nicht labern!

„Macht man einfach betriebsam und selbstbezogen seinen eigenen Kram? … Oder will man den Leuten … etwas sagen?“ fragte Jan Roß unlängst auf evangelisch.de bezüglich der Kirche von morgen. Dass die Kirche „nicht labern“ solle, dieses Zitat findet sich im Interview nicht. Macht aber nichts, denn zum Weiterlesen ermuntert so eine Überschrift allemal. Oft beginnen Pressemitteilungen jedoch mit unheilvollen Aufmachern wie „Die Kirche, muss sich jetzt wieder mehr den Menschen zuwenden“, wobei offen bleibt wer denn „die Kirche“ und vor allem, wer denn „die Menschen“ sind. Von solchen Überschriften bleibt allenfalls der schale Nachgeschmack, „die Kirche“ sei vor allem mit sich selbst beschäftigt. Warum nicht titeln „Du bist Kirche!“. Das ist zwar fast selbst schon bullshit bingo verdächtig, hat aber immerhin etwas weniger Nebenwirkungen. Manchmal habe ich den Verdacht, dass „uns“ das Denken in „wir“ (in der Kirche drinnen) und „ihr“ (Menschen da draußen) blockiert neue „Schnittstellen“ zur Kommunikation des Evangeliums zu finden. Vielleicht sollten wir in Einübung des jesuanischen Blicks „quer“ denken: Nicht wer drinnen und wer draußen ist, sondern wie „wir alle“ vor …