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Jürgen Marcus schreibt keine Emails

Zum Pfarrkonvent mit @ralpe über Social Media:

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, schalala Schalalalala.“ –So könnten einst die Jünger am Ostermorgen gesungen haben, oder doch besser zu Pfingsten? „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, die Botschaft kam an. Damals zu Ostern in Jerusalem und in den Hochzeiten des deutschen Schlagers. Mitte der 70er war das.

Heute versucht der Schlagersänger, der damals Millionen erreichte, der guten alten Zeit neuen Glanz zu verleihen.
Und das funktioniert am Besten dann, wenn man technischen Neuerungen und Veränderungen höchst skeptisch begegnet.

Jürgen Marcus also (die mit der Dieter Thomas Heck verkorksten Kindheit werden sich wohl erinnnern) Jürgen Marcus bekennt neuerdings:

„Ich habe noch niemals eine Email geschrieben!“

Das ist eigentlich vom Nachrichtenwert geradezu belanglos, denn keiner hat wohl wirklich auf dieses Geständnis eines 64 jährigen gewartet, zumal andere Männer in diesem Alter ja meistens durch erneute Zeugungsakte auffallen.

Und doch ist dieses „Bekenntnis“ von Öffentlichkeitswirksamer Warte aus betrachtet geradezu genial:

Zum einen gibt er den eingeschworenen Fans aller Altersgruppen in ihrer Lebensweise Bestätigung.
Denen also, die mit der wachsenden Digitalisierung der Gesellschaft nicht standhalten können oder wollen.
Und er (also sein Management) tut so geschickt, dass nicht etwa der allerorten und auch heute hier in diesem Pfarrkonvent oft noch genannt werdende Riese Facebook verteufelt wird, sondern ein durchaus in der sog. Mitte der Gesellschaft angekommenes Kommunikationsmittel.

Zu anderen jedoch beweist der Schlagerstar, dass er, obwohl er noch nie eine Mail geschrieben haben will durchaus, dass er noch ein Star ist, denn selbstverständlich hat heute jede und jeder, der bei einer Plattenfirma unter Vertrag ist eine Facebook-Fanpage.
So auch Jürgen Marcus!
Seinen jugendlichen Fans (die er tatsächlich zu haben scheint) signalisiert er somit: Seht ihr, ich lese keine Mails und ihr auch nicht, lasst uns „Freunde“ auf Facebook sein.

Marketingtechnisch ist die Nachricht des Schlagerstars also durchaus als voller Erfolg zu werten.

„Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?
Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ (Jesaja 43,18)
Unter den Aufruf des Deuterojesaja haben wir hier in Meckenheim die gestern zu Ende gegangenen Festwoche zum 50jährigen Jubiläum der Kirchengemeinde gestellt.

Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?

In der Tat ist dieser Aufruf ein wahrhaft prophetischer:

„Liebes Volk Gottes, du, Kirche, die Zeit der Matritzen und Matzen ist vorbei! Ich lege Datenleitungen wie Wasserströme in die Wüste, damit ihr euer Ziel schneller erreichen könnt.
Der Weg war bei mir noch nie das Ziel.
Sondern die Ankunft und die Anbetung.

Ruft die gute Nachricht durch alle Kanäle, die ich euch bereitstelle. Und wisst dabei:
Ich gehe voran. Ich gehe voraus –auch durch Kupfer- und Glasfaserkabel. Habt keine Angst, dieses vermeintlich „böses Internet“ ist nichts anderes als eine harmlose Verpackung der Dinge. Es kommt daher wie eine rote Schleife und ist doch nur ein schnöder Pappkarton.“

Legendärer Auftritt der Kraft Gottes.
Lang ist’s her. Damals beim Wüstenpropheten.

Mitten aus dem Nichts, ein Grund zum Staunen.
Aus dem Sandboden ein Keim.
In eintöniger Sandwüste ein Weg in die Zukunft.
Lang, lang ist’s her. Zu lange?

Gedenkt nicht an das Frühere. Ich will ein Neues schaffen.

Habt keine Angst vor roten Schleifen um das Evangelium. Und auch die Songs von Jürgen Marcus müssen euch nicht schrecken.

Denkt immer daran:

Gott selbst macht Regenbogen.

Die Folien zum Vortrag von Ralf Peter Reimann findet ihr übrigens hier: http://prezi.com/gadlm3g_55tz/social-media-und-gemeinde/?utm_campaign=share&utm_medium=copy

Foto: sxc.hu

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