Monate: Februar 2013

Jeremia 20,7-11a

Bin ich ein Prophet? Diese Frage, flapsig in die Runde geworfen wenn ein Blick in die Zukunft geworfen werden soll, hätte der Prophet sicher mit: „Zum Glück nicht!“ beantwortet. Er hatte es schlichtweg satt diesen „Job“ machen zu müssen. Denn er hat am eigenen Leib erfahren müssen: Ein Prophet ist kein „Vorhersager“, ein Prophet ist ein „Hervorsager“. Und da die Botschaft, die er hervorzusagen hat, keine angenehme ist, sondern eine, die denkbar schlechte Nachrichten bringt (den Untergang der staatlichen Existenz Israels), zieht er den Zorn seiner Mitmenschen auf sich. Jeremia ist so weit gegangen nicht nur mit seinem Auftrag Schluss zu machen, sondern sogar mit seinem Leben. Diese Entscheidung bringt er im Predigttext für den kommenden Sonntag vor Gott. Was die Wortwahl betrifft, könnte man sagen, er wirft sie ihm vor die Füße: „Da. Nimm. Mach weiter, aber ohne mich!“ Überraschend dann die Wendung, die eintritt, und die auch ähnlich in den Klagepsalmen zu beobachten ist: „Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held“ (V11). Wenn Gott uns etwas zumutet, dürfen wir ruhig …

Johannes 8,26b-30 zu Reminiszere

Wie in der letzten Woche geht es im Predigttext für den kommenden Sonntag aus dem Johannesevangelium um Unverständnis. „Sie verstanden aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach.“ (V27) Man möchte beinahe dazwischen rufen: „Kein Wunder, dass die Jüngerinnen und Jünger nichts verstehen. Denn wer denkt bei ‚Erhöhung des Menschensohnes’ schon an Jesu Kreuzigung?“ Was Johannes in seinen knappen Versen erwähnt, und was er nicht müde wird in geradezu kreisenden Bewegungen immer wieder zu betonen, ist die Einheit Jesu mit Gott, seinem Vater. Diese Beziehung ist so einmalig und zugleich so innig, dass zwischen Jesu „Willen“ und Gottes „Wirken“ nicht mehr unterschieden werden kann: Wer Jesus sieht, erkennt Gott. Das hat Folgen. Denn dieser Beziehung ist Gott sich nicht selbst genug. Er will in seinem Tun als einer erkannt werden will, der ausnahmslos „für“ uns handelt. Unsre Antwort steht übrigens ganz am Ende des Predigttextes (V30). Schlagt nach! http://www.ekir.de/url/afg

Im Jenseits oder in der Parochie

Im Deutschen Pfarrblatt findet sich dieser Tage ein Artikel dessen Botschaft man in aller Kürze in einen Appell übersetzen könnte: Pfarrerinnen und Pfarrer macht euch auf in die sozialen Netzwerke! Denn: „Schon ein Blick ins NT zeigt, dass sich die Gemeinden der frühen Kirche als Netzwerk organisierten.“ Der Aufruf von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (@luebue) Ralf Peter Reimann (@ralpe) und Alexander Ebel (@ebel) geschieht in Zeiten in denen dieses „Dings 2.0“ auch kirchlich immer mehr in den Blick genommen wird. Meistens geschieht das immer noch mit ausgesprochener Skepsis, daher ist der werbende Vorstoß der Autoren löblich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass kirchliche Webseiten meistens nur eine „Einbahnstraßenkommunikation“ anbieten, wird der Faktor der Personalisierung und Lokalisierung von Webangeboten durch die Einbeziehung von Social Media Kanälen betont. Dabei kommt dann auch „Facebook in der Gemeindearbeit von Pfarrerinnen und Pfarrern“ in den Blick. Bei den dortigen Empfehlungen für das entsprechende Anlegen eines Profils regt sich bei mir allerdings Widerspruch gegen die Empfehlung: „Durch Angabe der Berufsbezeichnung oder des Arbeitgebers Kirche oder durch ein entsprechendes Signal im Profilbild (z.B. Talar, Kollar …

Erfolg und Mißerfolg

EKiR Social Media Round Table

Reblogged: http://www.meckenheim-evangelisch.de/2013/02/16/am-puls-der-zeit/ Drei Stunden lang diskutierten 19 Teilnehmer über den kirchlichen Gebrauch der sozialen Netzwerke… Neben dem Erfahrungsaustausch über eigene Projeke, der immer sehr interessant ist, stand Grundsätzliches auf dem Programm: Wie verhalte ich mich als Amtsträger in den Sozialen Netzwerken? Wie sind Jugendschutz, Datenschutz und Inklusion zu beachten, welche Fallstricke gibt es? Dazu werden auf landeskirchlicher Ebene “Guidelines” also Handlungsrichtlinien erstellt, die in einer Rohfassung diskutiert und auf ihre Praxistauglichkeit abgeklopft wurden.

Lk. 22,31-34 zum Sonntag Invokavit

Im Überschwang der Gefühle kommen manchmal große Sätze über die Lippen. Einige schreiben sogar Geschichte z.B.: „Die Würfel sind gefallen“, „Ich bin ein Berliner“, „Heute wächst zusammen, was zusammen gehört“. Der Satz des Petrus: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen“ aus dem Predigttext für den kommenden Sonntag (LK 22,33) gehört nicht dazu. http://www.ekir.de/url/gwd Er tut es nicht, weil es anders gekommen ist. Weil ein anderer Satz an seine Stelle getreten ist und zu einem berühmten wurde: „Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst“ (V 34) Vollmundige Worte sollten deshalb nicht gleich unterbleiben. Im Gegenteil, sie gehören ausgesprochen, weil sie ernste Absichten und wahre Beweggründe nach außen tragen. Die Worte des Scheiterns jedoch, verdienen auch in die Geschichtsbücher aufgenommen zu werden. (Jüdisch-) Christlicher Glaube erzählt von Beginn an, dass Scheitern, Versagen, Ängste und Leiden nicht ausgespart werden, sondern ins Leben zu integrieren sind. Die Erzählung geht soweit, dass sie selbst vor Gott nicht halt macht. Leiden, Scheitern und sogar Tod …

Präses Nikolaus Schneider zur Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt XVI

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erklärt zur Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt XVI. am heutigen Montag: „Die Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt habe ich mit großem Respekt zur Kenntnis genommen. In besonderer Weise denke ich an unser Zusammentreffen in September 2011 im Augustinerkloster zu Erfurt, wo Papst Benedikt an einer Lutherstätte die existentielle Frage Martin Luthers ,Wie bekomme ich einen gnädigen Gott‘ in eindrucksvoller Weise aufgenommen hat. Ich danke auch im Namen des Rates der EKD für alle theologischen Gespräche und Diskussionen. Dass Papst Benedikt, der im 86. Lebensjahr steht, von sich aus das Amt abgibt, empfinde ich als bewegend, und es erfüllt mich mit großem Respekt. Ich wünsche Papst Benedikt nun von ganzem Herzen erfüllte Jahre, die er ohne die Bürde des Amtes verleben möge. Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen und dass man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit ist, gehört zum Maß des Menschlichen. Es ist ein gutes Zeichen, dass Papst Benedikt dieses durch das Evangelium eröffnete Maß des …

Lk 18, 31-43

Am kommenden Sonntag kann es Euch passieren, dass Ihr in der Kirche sitzt, und draußen wird „Die Karawane zieht weiter…“ angestimmt. Während kirchenjahreszeitlich ohne Umschweife das Passionsthema eingeläutet wird und ein „Halleluja“ in der Liturgie entfällt , hält am „Karnevalssonntag“ der Verstärker auf dem Trecker den Frohsinn am Leben. Das Aufeinandertreffen von Gegensätzen kann mitunter seinen Reiz haben, manchmal aber auch zu Verständnislosigkeit und Kopfschütteln führen. Im Predigttext für den kommenden Sonntag führt die Ansage Jesu über seine bevorstehende Verhaftung und seinen nahen Tod zu Kopfschütteln. Die Jüngerinnen und Jünger verstehen nichts. Dabei lag es doch eigentlich auf der Hand: Der, der Blinde sehen macht, ist der, von dem die Propheten redeten. In ihm ist Gott besonders da. Geradezu einzigartig. Doch Eindeutigkeit gab es zu keiner Zeit. Und auch nach Wundertaten stellte sich nur ein vorübergehendes Lob ein. Es blieb eine Ahnung von dem ein, was Gott zu tun beabsichtigt. Aber kein Verstehen. Eigentlich beruhigend für uns Glaubende und die Glaubenden aller Zeiten, oder? Denn ein „näher dran“, oder ein „unmittelbarer zu“ gibt es im …