Monate: November 2012

Jesaja 65, 17-29 und der neue Himmel

„Iß, trink, sei fröhlich auf der Erd‘, glaub nur nicht, dass es besser werd‘.“ Das deutsche Sprichwort verziert gerne gehäkelte Topflappen und bringt Küchentheologie vom feinsten auf den Tisch. Der Apostel Paulus zitiert einmal das Original, das da lautet: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“ Da wird nichts gehäkelt und nichts verziert, da wird offenkundig zu einer Verdrängung des Gedankens der Endlichkeit aufgerufen. Am Totensonntag passiert das Gegenteil. Es heißt: Ruhe einkehren lassen, sich bewusst der Stille aussetzen. Totensonntag, das heißt aber auch, Gott keine Ruhe zu geben. Die Gräber, die wir besucht und auf die wir Blumen gelegt haben, schweigen. Der Tod gibt keine Antwort. Er ergibt auch keinen Sinn. Aus ihm lässt sich keine Zukunft bauen. Darum: „Augen auf!“ ruft uns der Prophet Jesaja im Predigttext für den kommenden Sonntag zu. Was kommt, ist ein neuer Himmel und eine neue Erde. Gott wird ein zweites mal zum Schöpfer. Das vermag Verzweiflung zu besänftigen, und ein unglückliches Herz beruhigen. Der Glaube an Gott, den Schöpfer richtet sich auf unsere Gegenwart. Aber …

„Geistreich.de“ verkauft „user generated content“

Einst war ich der einzige Alphatester der geplanten „Geisterreich App.“ Vor einigen Monaten wurde dann mitgeteilt: Es gibt keine App. Eigentlich nicht weiter schlimm, denn einiges hätte an dieser App noch komplettiert werden können (meine Rezension findet ihr nachfolgend). Interessant ist nun allerdings zu lesen, dass aus dem User-basierten („freien“) Content ein kleines „Büchlein“ für „schlappe“ 25,-EUR gezimmert wurde. Eine Schelmin, die böses dabei denkt, wenn sie dazu auch noch liest, dass die einstigen Bundesmittel nun durch welche einer Telekom-Tochter ersetzt worden sind. Immerhin ist es „geistreich“ sich einen großen Sponsor ins Boot zu holen. Ob es allerdings ebenso clever in den AGB nur diesen knappen Hinweis stehen zu haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Dort heißt es zu den Rechten an den eingestellten Inhalten: „10. Rechte an Inhalten Der Nutzer räumt geistreich.de mit dem Einstellen seiner Inhalte das Recht ein, diese Inhalte auf den geistreich.de-Webseiten auch an anderen Stellen zu veröffentlichen. Der Nutzer hat das Recht, im Einzelfall dieser Nutzung schriftlich zu widersprechen. Der Nutzer räumt weiterhin geistreich.de das Recht ein, seine Inhalte auch nach …

Offenbarung 2,8-11 Ihr seid Christen. Macht was draus.

„Keiner fällt ins Nichts. Setzt euer Vertrauen auf Gott. Er bringt durch den Tod ans Ziel. Nichts kann aus seiner Hand reißen.“ So soll der Predigttext für den kommenden Sonntag aus der Offenbarung Kapitel 2,8-11 klingen. Dass sich beim ersten Lesen ein anderer Eindruck ergibt, ist der Situation geschuldet in die der Text spricht: Die Adressaten waren ein kleines Häufchen am Rande der damaligen Gesellschaft. Die neu gegründete Stadt war reich, denn der Handel florierte. Die Christengemeinde aber war arm. Zudem stellte sich in der multireligiösen Umwelt die Frage nach dem eigenen Profil: Was genau heisst es, zu „Christus zu gehören“, „christlich“ zu leben? Zwischen Anpassung und Abgrenzung liegen Hürden, die genommen werden wollen und die oft schwierig genug zu nehmen sind. „Da kann man nichts machen“, lautet mitunter die mutlose Antwort. „Doch, man kann!“ sagt uns der Predigttext. Sogar, dann, wenn es ausweglos scheint. Wenn am Lebensende unsere Bekannten oder Freunde mehr oder wenig mitleidig die Schultern zucken. Gerade dann. Man kann immer etwas machen, weil Jesus keinen Spaziergang durchs Leben gemacht hat. Er …

Hiob 14, 1-6 „Alles hat ein Ende nur…“

„Alles hat ein Ende nur … die“ Alles, was anfängt, geht auch irgendwann einmal wieder zu Ende. Das ist der Gang der Dinge. So ist alles Dasein eingerichtet. Alles, was kommt geht wieder. Aber nicht alles, was anfängt, kommt auch zur Vollendung, so kann man es im Buch Hiob 14,1-6, dem Predigttext für kommenden Sonntag nach lesen. http://ekir.de/url/7L3 Ende und Vollendung sind zweierlei. Schmerzlich zweierlei. Davon merken die Mineralien, Tiere und Pflanzen nichts. Aber wir erfahren den Unterschied. Manchmal so leidvoll, dass wir uns wünschen, Gott möge uns doch einfach in Ruhe lassen und wegsehen. Was sich nicht vollendet, tut uns weh. Vollendung ist keine zeitliche Kategorie, sondern eine qualitative. Dass am Ende Gottes Gegenwart steht, erleichtert, denn dann bin ich nicht mit mir allein, mit mir und meinem Lebenswerk. Unerschütterlich hat Jesus auf die Gegenwart Gottes hingewiesen. Die Blumen auf dem Felde, die Vögel im Himmel, die Fische im See – oft haben wir dies alles bewundert als Zeichen für Gottes Gegenwart. Wenn wir Hiob fragen könnten: Wird sich vollenden, was wir begonnen haben, …

Römer7 und Marius Müller Westernhagen

„Was ist der Mensch?“, diese anthropologische Grundfrage reizt zu komprimierten Aussagen. Eine Antwort lautet: ein „Mängelwesen“; vertont in „Der Mensch ist leider nicht naiv. Der Mensch ist leider primitiv.“ (Freiheit, MMW) Der Apostel Paulus versucht eine theologische Antwort im Predigttext für den kommenden Sonntag:„Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm7,19) Die These wird untermauert durch eine Argumentation, in der gewichtige theologische Begriffe einander zugeordnet werden. Würde Paulus nicht an „die Römer“ schreiben, sondern an Konzertbesucher von Marius, würde das vielleicht so ähnlich klingen: „Durch Jesus Christus bin ich, was ich bin. An seinem Schicksal hängt mein Leben. Hätte er nicht alles für mich getan, wüsste ich nicht, was Liebe ist.
Aus dieser Liebe lebe ich. Wäre sie nicht da, mein Leben wäre leer. Ohne Gottes Handeln könnte aus meinen Taten nichts Gutes erwachsen. Ich würde immer meine Ellenbogen ausfahren um selber atmen zu können, weil alle anderen mich bedrängen. Durch Gottes Liebe aber kann ich atmen. Und so muss ich den anderen …