Monate: Oktober 2012

Jeremia 29,1.4-7. 10-14

Politischer Sachverstand –ungenügend. Wirtschaftliche Kompetenz –Mangelware. „Soll sich der Priestersohn doch um Religion kümmern und nicht versuchen das gesellschaftliche Rad zu drehen“ –so hat man es dem Gottesmann vorgehalten. Doch Jeremia bleibt dabei. Seine Botschaft lautet: „Lebt hier und jetzt, denkt nicht immer nur an das Vergangene und malt eure Zukunft nicht rosarot. Bringt euch mit euerer Hoffnung auf Frieden und soziale Gerechtigkeit dort an, wo ihr jetzt lebt. Was gut für euch ist, wird auch gut für die Menschen um euch herum sein. Ihr lebt zwar nicht in eurer Heimat, dennoch: Gott ist bei euch. Vergesst nicht Krieg und Deportation, aber versucht nicht, daraus eure Zukunft zu bauen. Fangt jetzt mutig an das Notwendige zu tun, dann werdet ihr die Hoffnung am Leben halten, ohne ihr nachjagen zu müssen.“ Der Predigttext für den kommenden Sonntag findet ihr in Jeremia 29,1.4-7. 10-14 Ein Brief aus dem 6.Jhd. vor Christus.

1.Kor 7, 29-31

Der Sommer vorbei. Der Weihnachtsmarkt seit 4. Oktober geöffnet. „Die Zeit ist kurz.“ Wer möchte dem Apostel Paulus da nicht zustimmen, was er im Predigttext für den kommenden Sonntag in 1.Kor.7, 29-31 formuliert. Freilich geht der Apostel das Problem grundsätzlicher an: Die Kürze qualifiziert die Zeit bis zur Wiederkunft Christi. Von dieser Erwartung her sollen Christinnen und Christen ihr Leben gestalten. Erstaunlicher Weise nicht nach dem Motto „Lasst uns essen und trinken, denn morgen kommt der HERR wieder“. Überraschend wird auch nicht zu totalem Verzicht aufgerufen, vielmehr wird eine überaus gewichtige Akzentuierung gesetzt: Menschliche Bedürfnisse haben ihre fraglose Berechtigung. Und sie haben ebenso ihre selbstverständliche Begrenzung. Totalität macht unfrei. Und weil Christus uns zu freien Menschen gemacht hat, ist ein Weg zurück in Abhängigkeit eine unmögliche Möglichkeit. Ein so verstandenes „Haben als hätte man nicht“ wird zum Dreh- und Angelpunkt christlicher Ethik. Leider verkürzt die Perikopenordnung die paulinische Argumentation. V23 liefert die Begründung , warum die Worte des Apostels für uns, die wir nicht in einer Naherwartung leben, immer noch Bedeutung haben. Ob Sommer oder …

Jakobus 5,12-16

„Da hilft nur noch beten!“ Das kann man immer dann hören, wenn eine Situation als ausweglos erscheint und nur eine „wundersame“ Wendung die Ereignisse entscheidend verändern kann. Beim Predigttext für den kommenden Sonntag aus de Im Jakobusbrief http://ekir.de/url/ZbS könnte man sogar auf die Idee kommen, es gäbe so etwas wie Regeln für ein „Gesundbeten“. Doch steckt die Empfehlung, es müsse nur fest genug gebetet werden und Krankheit würde verschwinden, gar nicht in den vorgeschlagenen Zeilen. Die Ermunterung, für kranke Menschen zu beten, ergeht zu Zeiten der Briefabfassung an eine Gemeinde, die sich in einem multireligiösem Umfeld die Frage nach einem erkennbar-christlichen Lebensstil stellt. In der Hinwendung zum Gebet zeigt sich eine spezielle Haltung alles von Gott zu erwarten und alles aus seiner Hand zu nehmen. Krankheit und Genesung. Es wird nicht behauptet: Beten heilt. Aber es wird sehr wohl behauptet, dass beten hilft. Am Krankenbett das Erlebte vor Gott aussprechen, bringt möglicherweise keine unmittelbare Heilung hervor, es verändert dennoch die Situation erheblich, weil es zeigt, wie nötig ich Gott habe.

Fossil Tageszeitung – Heilsbringer iPad?

Ich bin begeisterter Zeitungsleser. Seit ich Kinder habe, komme ich sogar mit einer einzigen abonnierten Zeitung aus. Trotzdem bleibt sie in letzter Zeit immer öfter ungelesen liegen. Das hat drei Gründe: Zum einen habe ich einige Artikel schon am Abend auf der Internetseite des Blattes gelesen, zum anderen greife ich immer öfter zur „Tablet-Ausgabe“ der Zeitung meiner Wahl. Schließlich bieten die meisten Blätter ihre Nachrichten auch noch auf anderen Kanälen im Internet an (z.B. Twitter). Dadurch lassen sich Informationen bequem an andere Nutzer weiterleiten. Umgekehrt komme ich so an Leseempfehlungen anderer Nutzer. Ganz trennen möchte ich mich von meinem Abonnement dennoch nicht. Durch jahrelange Lesegewohnheit bin ich in der gedruckten Form immer noch schneller als auf dem „leuchtenden DIN A4-Blatt.“ Muss allerdings zugeben, dass dieses bei schummrigem Licht schon seine Vorzüge hat, denn auch die Schriftgröße lässt sich einstellen. Ein Pluspunkt für Menschen wie mich, die eigentlich keine Lesebrille brauchen. An der zukünftigen Entwicklung der Tageszeitung wird sich ablesen lassen in welcher Geschwindigkeit die Digitalisierung der Gesellschaft voranschreitet. Als Christen protestantischer Herkunft können wir diesem …

1.Tim.4,4-5

Wie, du isst nicht überwiegend „bio“? Solltest du aber, gerade du…! Solche, oder ähnlich klingende Sätze können einem schon begegnen, wenn die Äpfel in der Tragetasche des Discounters und nicht in der des heimischen Obstbauern entdeckt werden. An die „Verantwortung des Verbrauchers“ zu appellieren ist sicherlich angezeigt, gerade angesichts unseres Umgangs mit Massen- und Überproduktion. Der Apostel Paulus geht im Predigttext 1.Tim.4, 4-5 für den nächsten Sonntag (Erntedank) dennoch einen anderen Weg: Geht es nach ihm, soll nicht „mehr“, sondern „weniger“ bezüglich von Speisevorschriften geregelt werden. Freilich wäre es biblizistisch daraus zu folgern, die Kennzeichnungspflicht und Siegelvergabe im Bereich von Lebensmitteln wäre dadurch hinfällig. Die Skepsis des Apostels bezieht sich nämlich nicht auf die Speisen selbst, sondern auf die zur allgemeinen Regel (Gesetz) erhobene Vorschrift ihres Gebrauchs: „Gut“, ist nicht die Gabe an sich, sondern sie dient erst zum Guten, wenn sie als Gabe Gottes aus dessen Hand genommen wird. Die gute Nachricht daran ist: Nicht der Produzent entscheidet über die „Qualität“ der „Ware“, sondern der „Verbraucher“, der das Vorzeichen „+1= aus Gottes Hand in …