Monate: September 2012

Apostelgeschichte 5,12-29

Wenn ihr am kommenden Sonntag in den Gottesdienst geht, erwartet euch entweder eine Predigt über den Erzengel Michael, oder eine über den sog. „Gottesknecht“. Beides steht den Predigenden im liturgischen Kalender zur Auswahl. Vermutlich werdet ihr aber weder zum einen noch zum anderen etwas zu hören bekommen, weil viele Gemeinden das Erntedankfest vorgezogen und mit ihrem Gemeindefest verbunden haben. Ein Engel, der gegen den Satan kämpft und oft mit Schwert und Schild in Abbildungen zu sehen ist, eignet sich doch sehr gut für einen Gottesdienst, in dem sich kleine und große Menschen angesprochen fühlen. Aber wer sich in Batman-Geschichten nicht ebenso auskennt wie in Heiligenlegenden, begibt sich womöglich auf religionspädagogisches Glatteis. Der Predigttext aus der Apostelgeschichte 5,12-29 erinnert an das Thema vom vergangenem Sonntag. Es wird wiederum eine Geschichte der Befreiung aus Gefangenschaft erzählt: Gott stellt sich in seiner Geschichte mit den Menschen als der vor, der aus Gefangenschaft herausführt. Die Exoduserfahrung (Befreiung Israels aus der Sklaverei) und die Ostererfahrung, dass Gott den Gekreuzigten auferweckt, sind die Grundpfeiler der Verkündigung des Evangeliums. Gott führt die …

Apostelgeschichte 12, 1-12

„Wegschließen und zwar für immer.“ Das war in der Antike keine Lösung. Da wurden unliebsame Gegner schon mal schnell einen Kopf kürzer gemacht. Davon weiß der Predigttext des kommenden Sonntages aus der Apostelgeschichte Kap.12,1-12 zu berichten. Aber nicht nur das. Vielmehr geht es um eine Befreiungsaktion aus dem Knast. Petrus wird von einem Engel aus seinen Ketten befreit und so aus der Hand seines Peinigers Herodes errettet. Was bei Petrus durchaus in Ordnung geht, und in der lukanischen Erzählung der Ausbreitung des frühen Christentums sogar zwingend erscheint, bereitet als grundsätzliches Programm immense Schwierigkeiten: Wer sich für die Öffnung von Gefängnissen einsetzt, wird -außer von Seiten der Gefangenen- wenig Zustimmung erfahren. „Wegschließen und zwar für immer“ trifft da eher den Ton, den die Massen sprechen. Deswegen hält Gott dagegen: Er setzt von Anfang an in seiner Geschichte mit den Menschen alles unter das Vorzeichen der Freiheit. Der Exodus („Auszug“ der Israeliten aus der Sklaverei) ist die alles bestimmende Erfahrung in der Geschichte Israels, auf der alle Freiheitsthematik kirchlicher Tradition fußt. Wenn die lukanische Geschichtsdeutung an dieser …

Tausend Jahre sind vor Dir wie ein Tag (oder eine Sekunde?)

Einmal in der Woche bete ich diesen Psalm hier: http://ekir.de/url/AQG (Ps90). Mindestens. Nämlich auf dem Friedhof. Trauerfeiern gehören mit Sicherheit zu den Rückzugsmomenten, die uns unsere Lebenszeit für einen Moment ansichtig werden lassen. „Tausend Jahre – ein Tag“, das will nicht als mathematische Rechenaufgabe verstanden werden, sonder als Aufforderung zur Vergewisserung, dass Gott, der die Dinge in Dasein rief, auch unsere Zeit in seiner Hand hält, gewissermaßen „rahmt“. Denn unser Leben kehr zu ihm auch wieder zurück. Bei der unten verlinkten Graphik musste ich unmittelbar an V10 denken: „unser Leben fährt dahin, als flögen wir davon.“ Besser, als dass in einer Sekunde 168 Millionen Emails verschickt werden, kann man gar nicht veranschaulichen. Was sich sonst noch so in 60 Sekunden in diesem Internet tut, seht ihr hier: http://www.go-gulf.com/60seconds.jpg

Galater 5,25-27; 6,1-3,7-70

Beim Predigttext für den kommenden Sonntag könnte der Eindruck entstehen, er sei vor allem für „Jogger“ (V25) und „Vegetarier“ (V8) vielleicht sogar noch für „kosmische Geist-Licht-Wesen“ (V2) geeignet. Aber lest doch selbst Abschnitt aus dem Galaterbrief: Gal 5,25-26; 6,1-3,7-10 Ihr habt tatsächlich richtig geschaut. So filetartig sollen die Verse des Apostels Paulus am Sonntag „serviert“ werden. „Laufen im Geist der Nächstenliebe und allen ‚Fleisch -Gelüsten‘ abschwören“ -oder auch „Mahnung zur Brüderlichkeit“ so die Überschrift in der Lutherübersetzung von 1984, das soll die Essenz der paulinischen Gedanken sein. Das schmeckt mir nicht. Nicht weil die „Geschwisterlichkeit“ immer noch nicht die „Brüderlichkeit“ ersetzt hat, sondern vielmehr, weil dem paulinischem Gedankengang die Basis entzogen wurde. Die Dimension des Gegensatz zwischen „geistlich“ und „fleischlich“ gerät nämlich ohne 5,24 aus den Fugen. Dort nimmt der Apostel Bezug auf die Kreuzigung Jesu. In dieser (Heils-)Tat hat der Widerstreit der verschiedenen Interessen ein Ende: Als Christen „gehört“ ihr mit eurem Leben zu Gott. Der „Kampf“ ist entschieden, lebt danach! Diese „Begründung“(V24) stellt die Mahnung gewissermaßen vom Kopf auf die Füße: Weil ihr …

Was ist ein Periskop?

Vielleicht ist euch die neue Kategorie aufgefallen, die am rechten Rand dieses Blogs erscheint: „Periskop“. Jeweils am Dienstag um 16.oo Uhr erscheint auf der Facebookseite der evangelischen Kirche im Rheinland (ekir) eine kurze Vorschau auf den Predigttext des kommenden Sonntags. Da die Autorenschaft der Beiträge bei mir liegt, erscheinen die Texte auch hier. Und falls ihr euch wundert, dass außer Kurzandachten zu Bibel-Texten im Moment auf diesem Blog nichts passiert, liefert euch das vielleicht jetzt die Erklärung 😉

Neutestamentliche Schriften in der Reihenfolge ihrer Entstehung

Am Dienstag war im Periskop zu lesen, dass der Predigttext des heutigen Sonntags zu den ältesten Texten im Neuen Testament gehört. Wer auf einfache und schnelle Weise eine chronologische Ordnung der neutestamentlichen Schriften sucht, wird überraschender Weise in der „Huffington Post“ fündig. Dort kann man bequem durch die exegetisch unumstrittene Datierung der 27 Schriften des Neuen Testamentes klicken. Nun könntet ihr fragen „wozu“? Sicher nicht, um zu erörtern, welche Glaubwürdigkeit den einzelnen Schriften zukommt. (Den Text des Artikels könnt ihr getrost aussparen, da er zur hiesigen kirchlichen Diskussion nicht passt.) Interessant ist aber, dass in den frühen Schriften (also den Paulus Briefen) schon um das Jahr 50 n.Chr. traditionell geprägte Wendungen vorkommen, auf die sich die frühchristlichen Gemeinden beziehen können. Lange bevor das erste Evangelium (Markus 70 n.Chr.) verfasst wurde, gab es fest formulierte „Glaubenssätze“, auf die der Apostel zurückgreifen konnte. Wo es um die Auferstehung Jesu geht, gibt es z.B. solche vorpaulinischen Traditionen (1.Kor 15). Vielleicht muss man/frau Theologe_in sein um sich dafür zu begeistern. Vielleicht aber gefällt solch ein Blick auf neutestamentliche Schriften …