Monate: Juli 2012

Jeremia 31,31-34

Den Predigttext für den kommenden Sonntag findet ihr in Jeremia 31,31-34 Neu ist immer gut. Wer möchte schon einen Gebrauchtwagen, wenn er der Erstbesitzer sein kann? „Neu“ ist ein Zauberwort, ohne das kaum ein Produkt auskommt. Der Garant von Verbesserung und Fortschritt heißt „NEU“ und das nicht erst, seit auch der Beziehungsstatus mit Neu.de eine „Auffrischung“ erfahren kann. Wenn es bei Jeremia um den „neuen Bund“ Gottes mit den Menschen geht, könnte man ebenfalls auf die Idee kommen, der erste (alte) Bund sei nicht mehr aktuell. Um dieses Missverständnis nicht aufkommen zu lassen, heißt der kommende Sonntag in unserer Kirche „Israel-Sonntag“. Das meint: „Wir glauben die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes…“ (Rheinischer Synodalbeschluss von 1980 4.4; die Arbeitshilfe zu zu diesem Beschluss findet ihr unter http://ekir.de/url/Ath ) Es wäre unangemessen Jeremias Rede vom „Neuen Bund“ so zu verstehen, dass die „Kirche“ als „neues“ Volk Gottes diese Verheißung bereits eingelöst hätte. Vielmehr gilt es, daran zu erinnern, „dass Juden und Christen je in ihrer Berufung Zeugen Gottes vor der Welt und voreinander sind“.

Evangelische Freiheit nach 1Kor. 6,9-20

Den Predigttext vom kommenden Sonntag findet ihr im 1Kor.6,9-20. Es geht um Sex. Jedenfalls ist das der erste Eindruck, der sich beim Lesen einstellt. Liest man genauer, geht es um Prostitution. Liest man noch genauer, erschließt sich ein Ziel, das beides hinter sich lässt. Doch der Anmarschweg dahin ist lang. Paulus scheint den Moralapostel zu geben und damit wären immerhin die Fronten mal wieder geklärt. Doch dürfen die Zeilen bei den ersten Lesern in Korinth für etwas mehr Verwunderung gesorgt haben. Denn dort war man der Ansicht der „Leib“ spiele in einer ganz anderen Liga als der „Geist“. Dass die Auferweckung Jesu von den Toten bis in die gegenwärtigen (praktischen) Lebensbezüge hinein eine Rolle spielen sollte, war ihnen fremd. Für sie war Christsein eine rein spirituelle Angelegenheit. Der Apostel warnt nun aber vor genau dieser Trennung: „Achtung“, sagt er, „das Leben steckt voller Möglichkeiten, sich in Abhängigkeit zu begeben. Christus hat euch aber befreit. Begebt euch nicht wieder in die Unfreiheit. Denn zur Freiheit hat uns Christus befreit. (Gal.5,1) Hurerei kann ebenso in Unfreiheit führen, …

Jeremia 1,4-10

Den Predigttext für den nächsten Sonntag findet ihr im heutigen „Periskop“ im Jeremia Buch Kap.1,4-10 Diesmal allerdings ohne Link, weil mein Handy-Edge-Netz mir etwas Probleme bereitet… Wer möchte schon Überbringer schlechter Nachrichten sein? Das ist kein Job, um den man sich gerne reißt. Auch „Prophetien“ ist keine erstrebenswerte Aufgabe, findet jedenfalls Jeremia und hat auch schnell ein griffiges Argument zur Hand: „zu jung“ für dieses Amt. Kein Wunder, dass der junge Prophet seinen Auftrag erst gar nicht annehmen will, schließlich hat er nur schlechte Nachrichten für sein Volk. Genauer: Die schlechtesten, die man sich vorstellen kann: „Es gibt kein Entrinnen.“ Der Untergang der staatlichen Existenz steht bevor. Soziale Ungerechtigkeit, lieblose Gottesdienste und eine Regierung, die man in der Pfeife rauchen kann; mit solchen Sprüchen macht man sich keine Freunde. Kein anderer Prophet im Alten Testament leidet so sehr an seiner Botschaft wie Jeremia. Einmal kostet sie ihn beinahe das Leben. Ein Prophet ist kein „Vorhersager“, sondern eher ein „Hervorsager“. Er hat die Worte, die Gott ihm in den Mund legt, auszurichten. Aber im Gegensatz zu …

Philipper 2, 4-11

Münzprägung war von alters her Demonstration von (göttlicher) Macht. Wer Münzen prägte, tat das mit Bildern, die Stärke und Kraft symbolisierten. Römische Kaiser verstanden sich bestens auf diese Art von Öffentlichkeitsarbeit/PR. Christen hatten in ihrer Anfangszeit dem nichts entgegenzusetzen. Fast nichts. Sie hatten Lieder. Und diese haben es in sich. Ein damals bekanntes Lied ist der Hymnus im 2.Kapitel des Philipperbriefes. Er besingt in kurzen Worten eine theologische Deutung des Kreuzestodes Jesu (VV.6-11) > http://ekir.de/url/LdG Diese Deutung ist die Begründung des Predigttextes für kommenden Sonntag, der mit folgenden Worten endet: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:“ (Phil2,4-5) In einer Zeit, in der Politiker Politik als Selbstverwirklichung betreiben können, abgehoben von der Niedrigkeit des Alltags der Menschen, ist dies ein Satz, der aufmerken lässt. Es gilt, Erfolg zu haben, voran zu kommen, auf die eigene Chance zu warten. Vieles bleibt auf der Strecke:Zuerst die, die nicht erfolgreich sein können, weil sie nicht gut …

Apostelgeschichte 8,26-39

Das heutige „Periskop“ nimmt den Predigttext des kommenden Sonntags (Taufgedächtnis) in den Blick. Ihr findet ihn in der Apostelgeschichte 8,26-39. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein afrikanischer Finanzminister lässt sich von einem der Apostel taufen, nachdem dieser ihm aus der Twitter-Bibel das Evangelium gepredigt hat. Phillipus und der Kämmerer aus Äthiopien – für die Kindergottesdienstbesucher_innen unter euch – bekannt durch die eindrucksvollen Bilder von Kees de Kort. Eine schöne, eine anschauliche und obendrein: eine vorbildliche Taufgeschichte. Wie gemacht für einen Sonntag, der das Taufgedächtnis feiern will. Oder? Ich finde Nein. Angesichts der Taufpraxis unserer Kirche, die vor allem Kleinstkinder erreicht, kommt der Text zu bekenntnisorientiert daher. Wenn ich meiner Taufe gedenken soll, dann doch gerade deswegen, weil die Taufansprachen erzählen: Gott schenkt sich mir in der Taufe, noch ehe ich mein „Ja“ zu ihm überhaupt sprechen kann. Eben anders, als bei dem Kämmerer. Gottes Handeln in Jesus Christus wird mir und dir voraussetzungslos zugesprochen. Und von diesem Zeitpunkt an hat sich für mich und dich alles verändert. Nicht äußerlich sichtbar, aber der Statusmeldung Meldung nach. …

Genesis 12,1-4

Das hatte er sich anders vorgestellt. Er wollte einfach nur da sitzen. Sie meinte er solle doch was machen, was ihm Spaß mache. Doch er wollte einfach nur sitzen und seinen Lebensabend genießen. Auf Neues wollte er sich nicht einstellen. Lieber beim Bewährten bleiben: Da weiß „Mann“, was man hat. Doch es kam anders: Gott meinte er müsste etwas neues beginnen: „Ab heute ändern wir was am Protokoll. FTP wird zwar auch noch möglich sein, der Server bleibt in Betrieb, aber in Zukunft werden wir uns alle Menschen richten. Versuche es ab heute mal mit http://www.geh-in-ein-land-das-ich-dir-zeigen-werde.ka“ Herr A. (75) war verwirrt. Alle Menschen sollen gemeint sein. Unvorstellbar. Schon, dass er als einzelner ein besonderer sein sollte, innerhalb des einen Gottesvolkes, dem sich Gott versprochen hatte. Und nun sollte sich an ihm und seinen Nachkommen die Zuwendung Gottes zu allen Menschen festmachen? Er war verunsichert. Nicht nur von der Universalität des Protokolls, sondern auch von der Unbestimmtheit des Auftrags: „Keine funktionierende Domain angeben, nur dieses neuartige Protokoll. Das kann ja heiter werden.“ Aber – er geht …