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Weihnachten ist unterm Baum verschieden

Frau mit Geschenk

foto: sxc.hu

Alle Kirchenjahreszeit wieder offenbar dasselbe Ritual: Die kreativen Werbetexter_innen ersinnen zu den Feiertagen einen griffige Slogan, der sich einerseits festsetzt, andererseits Widerspruch hervorruft. War es Ostern noch eine Buchhandlung, die ihre „Hasenfest“ Werbung zurückzog, soll jetzt einem Elektronik Markt auf die Finger geklopft werden. Hier wie dort von der (katholischen) Kirche. Doch nicht nur institutionalisierte Formen des Christentums melden Protest an, auch in sogenannten sozialen Netzwerken meldet sich erheblicher Widerspruch gegen die „These“: „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“.

Der christliche Widerspruch führte sogar zu einer Einheits-email, die die Elektronikkette an aufgebrachte Kritiker verfasste. Die Eindeutigkeit der dort gegebenen Erklärung führte in den meisten Fällen jedoch zu noch mehr Kritik, denn in dem Schreiben wurde in schlichter Marketing Sprache erklärt, dass Weihnachten tatsächlich unterm Baum entschieden werde, und zwar am besten mit dem Produkten, die man zu äußerst günstigen Preisen in eben jenem Markt kaufen könne. Insofern bringe der Spruch auf den Punkt, was sich am heiligen Abend, unter vielen Weihnachtsbäumen in der guten Stube, ereigne. Religiöse Gefühle wolle man nicht verletzen.

Es liegt natürlich nahe zu opponieren: Schließlich werde Weihnachten nicht unter dem Baum, sondern in der Krippe entschieden. Allerdings ist es mir dann doch lieber die Unterhaltungselektronik liegt unterm Baum und nicht in der Krippe. Denn auch das ist doch nicht von der Hand zu weisen: Das Zeug muss doch irgendwohin!
Es beschleicht mich der Verdacht, dass Kirchenmenschen doch einwenig neidisch sind, auf die Macht der Worte, mit denen die Werbeindustrie sich die Deutehoheit über den Dezember erkauft. Das „Eigentliche“, so der weitere Verdacht gerät doch dadurch immer mehr ins Hintertreffen. Das dürfen „wir“ nicht zulassen, da müssen „wir“ gegenhalten ist die faktische Konsequenz zu einem derartigen Machtspiel.
Doch sind wir als Christenmenschen gut beraten uns auf diese Art des Kräftemessens einzulassen und ebenso lautstark gegen die großmäuligen Sprüche zu reagieren?

ER kam auf einem Esel und nicht auf einem Roß.
ER kam als schutzloses Kind und alle knieten nieder.
ER zog durch die Provinz und nicht durch die Gassen von Jerusalem.
ER starb schändlich als geächteter Verbrecher. Abseits.

Vergessen?
Manchmal frage ich mich, ob das Evangelium von Jesus Christus nicht sogar verraten wird, indem man auf Recht, Verantwortung, und Auftrag pocht. Welch Kleinglauben, das Evangelium könne sich seinen Weg in die Herzen der Menschen nicht auch durch den größten Trubel hindurch bahnen. Ich freue mich übrigens (dem „Internetz“ sei dank) über jeden Agnostiker, der brav sein Adventstürchen öffnet und über jeden Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters der des Sonntags seinen Adventskranz bedient.

Und was den Slogan betrifft, warum nicht antworten:
„Stimmt Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Aber das iPad ist zu flach. Da gehört dann doch die Krippe drauf!“

Vermutlich würden mehr Türen auf als zu gehen.