Predigt

Predigt über Philipper 4,4-6 (für Schnelleser)

Sonntagspredigten sind oft zu lang! Vielleicht nicht in der Kirche, aber zumindest am Bildschirm. Diese Art der Rückmeldung habe ich mehrfach zu hören bekommen. Oft habe ich in der Vergangenheit auch gespürt: „Für’s Netz müsstest du das prägnanter sagen“. Das gelingt oft nicht. Hier habe ich einen Versuch gemacht, eine Predigt aus dem Jahr 2009, die in diesem Monat sehr oft gelesen wurde, in einer gekürzten Fassung noch einmal „anzubieten“. Mal sehen, welche Fassung mehr Leser_innen findet….

grinsende Himbeere

sxc.hu

Lächel doch mal!
Freust du dich denn gar nicht?
Nun sei doch nicht so!
Dir kann man aber auch gar nichts recht machen!

Vier Sätze, die wir nicht gern hören. Am Heiligen Abend in einer unbedachten Äußerung verwendet, können sie zu einem wahren Fiasko familiärer Befindlichkeit führen! Ich gebe zu ich hab´s nicht so mit dem Freuen. Der Zwang “gut drauf” zu sein, regt mich meistens mehr auf als an. Und dauergrinsende Fernsehgestalten, die mundgerecht die Welt erklären, lassen mich das Radio einschalten. Dabei schätze ich Freundlichkeit (zumal im Alltag) sehr und finde auch, dass man vor allem sich selbst gegenüber oft freundlicher sein könnte.Dann klappt´s vielleicht auch mit dem Nachbarn.

Aber wehe einer steht auf und sagt:
“Die Hände zum Himmel. kommt lasst und fröhlich sein!”
Das finde ich aufgesetzt, da mach ich nicht mit (Außer vielleicht, es ist gerade Karneval, da gelten ja hier im Rheinland die eigenen Gesetzte)! Ist der Apostel Paulus eine Grinsekatze, die zu aufgesetzter Freude ermuntern will? Man könnte meinen Ja! Zumindest, wenn man die Worte aus dem Philipperbrief Kapitel 4,4-6 liest.
Es gibt dazu die nette Anekdote, dass der Theologie Student in der Bibelkundeprüfung zum Philipperbrief gefragt wird, was er dazu wisse. Und er antwortete “Freut euch, liebe Brüder freuet euch!”Es entstand eine längere Pause in die hinein der Prüfer dann fragte: “Und weiter, was sonst noch”?Daraufhin antwortete der Student:“Und abermals sage ich euch, freuet euch!”

Die Freude des Prüfers dürfte sich in Grenzen gehalten haben, die des Prüflings ist leider nicht mit überliefert. Vielleicht war er eine richtige Frohnatur und kam schließlich doch noch mit seinem Wissen über den Philipperbrief heraus. Dann wäre vielleicht darin deutlich geworden, dass Paulus keineswegs ein Gute-Laune Missionar gewesen ist.

Denn liest man den Philipperbrief wird schnell deutlich, dass der Apostel eigentlich überhaupt keinen Grund hatte sich über die Maßen zu freuen. Im Gegenteil!
Paulus bezieht sich hier auf das „Kommen Gottes“ als Grund seiner Freude.

Doch wenn Paulus hier an dieser Stelle, aus dem Gefängnis heraus, vom Kommen Gottes redet, meint er nicht die vielzitierte besinnliche Adventszeit, die als Vorfreude auf den Heiligen Abend im Kreise der Familie zielt.

Nein, der Apostel zielt nicht auf Besinnung, zielt auch nicht darauf, dass es sinnvoll sei, das Leben mit Gott.
Und er zielt erst recht nicht darauf, dass ein christliches Leben frei von Angst, Sorge und abgründigster Not sei.

Wenn Paulus sich hier freut, dann freut er sich auf das Kommen Jesu am Ende aller Zeit. Der Apostel hat sein persönliches Ende im Blick. Paulus hat also sein Ende im Blick, aber nicht, damit endlich alles vorbei sei, sondern weil er dann in Gemeinschaft mit Christus leben kann und damit auch Einblick hätte in die Geheimnisse Gottes, die uns heute –oft schmerzlich genug- vor Augen stehen.

Das Kommen Gottes als endzeitliche Kommen ist der Grund zur Freude!

Und dann, kann die Freude wahrlich nicht groß genug sein.
Weil sich dann die Hoffnung erfüllt und bewahrheitet, dass Gott es gut mit uns meint.Dass es um Ende der Zeit wirklich gut ausgeht und nicht am Ende Chaos herrscht und sich die Welt und alles je gewesene in Luft auflöst und nur noch vorschöpferischen Rauschen herrscht.Der Blick auf das Kommen Gottes am Ende aller Zeit, ist für den Glaubenden das Zentrum seiner christlichen Existenz.

Denn hier entscheidet sich, das Glaube mehr ist als Versüßung oder Verzierung unseres Lebens.
Hier wird die tiefe Glaubensgewißheit deutlich, ohne die alles kirchliche Tun und Lassen bedeutungslos wäre.

Wären Christen nicht von Anfang an im tiefsten ihres Herzens davon überzeugt gewesen, dass Jesus Christus die Wahrheit über Gott und sein Handeln an uns zeigt, wäre es nie zu einer Bildung einer Kirche gekommen.

Am Anfang also steht der unerschütterliche Glaube an Christus als den, der mein Leben in seinen Händen hält.

Und der es zum Guten führt –unabhängig davon ob es lang ist und in meinen Augen gelungen, oder ob es abgebrochen und verfehlt erscheint.

Nicht meine Deutung entscheidet über mein Leben, sondern entscheident ist, wie Gott mich ansieht.
Und in Jesus sieht Gott mich als jemanden an, der perfekt ist.
Vor Gott bin ich perfekt –das ist der Kern des Evangeliums, dessen strahlende Leuchtkraft leider allzu oft verdunkelt wird.
In Klammern gesagt: Auch durch das, was Kirche gennant wird! Doch das wäre ein anderes, ein vielschichtiges und vorallem ein sehr schmerzhaftes Thema.

Dass ich vor Gott so sein darf wie ich bin, weil er mich besser kennt, als ich mich kenne und mich trotzdem als perfekt ansieht, dass stärkt meinen Glauben und lässt mich gewiss sein, dass es zu einem Ende ohne Schrecken kommen wird.

Darüber kann man und frau sich freuen.
Bis über beide Ohren sogar, ohne damit zu einer Grinsekatze oder Grinsekater zu werden.