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Im Pfarrhaus soll es rein zu gehen!

foto: sxc.hu Zumindest „rein evangelisch“.
Das ist der Wille der Mehrheit der Synode der EKD, und gehört seit einem Jahr zum Bestand des neuen EKD Pfarr-Dienstrechtes, dass Eheschließungen von Pfarrerinnen und Pfarrern (zunächst einmal) nur unter konfessionell evangelischen Partner_innen möglich sein lässt.

Das wundert nur Außenstehende, denn in den meisten Landeskirchen findet dieses Vorgehen den gesetzlichen Rückhalt in bestehenden Pfarrdienstgesetzen. Nun hat der Fall einer Vikarin aus der Würtembergischen Landeskirche für größere Resonanz gesorgt. Man darf vermuten, dass es in diesem Fall zu enormen Kommunikationsstörungen gekommen sein muss, denn im Regelfall werden derartige Fälle überaus geräuschlos geklärt. Meistens wird nämlich von den (gesetzlich vorgesehene) Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht.

Ein „Im Prinzip schon, aber…“ ist besonders bei Kirchen synodal verfasster Struktur beliebt, da die Freiheit des Leitungsgremiums in seinen Entscheidungskompetenz als höchstes Gut betrachtet wird. Da wundert es nicht, dass die Synode der EKD so weiter zu machen gedachte. Allerdings hat eine andere Synode, die der reformierten Kirche unlängst in Emden darauf hingewiesen, dass diese Anwendung pfarrdienstrechtlicher Praxis schlichtweg überflüssig sei.
Es kann der reformierten Synode nicht hoch genug angerechnet werden, dass sie mit ihrer Beschlussfassung ein deutlich evangelisches Zeichen setzt (Mehr als ein Zeichen wird es allerdings wohl kaum sein). Denn im Evangelium ist die „Liebe“ die größte unter den Gnadengaben. Wie könnte es „evangelisch“ sein der Liebe konfesionelle Handschellen anzulegen?

An diesem Beispiel wird augenfällig , unter welcher Beobachtung und unter welchem ideologischen Gezerre die Diskussion um Lebensformen im Pfarrhaus steht.
In der evangelischen Kirche im Rheinland z.B., kann das Leitungsgremium immerhin beschließen, dass schwule und lesbische Partnerschaften im Pfarrhaus zusammenleben dürfen (was zu begrüßen ist, aber in anderen evangelischen Kirchen immer noch für erheblichen Wirbel sorgt). Soll jedoch eine Eheschließung mit einem nicht evangelischen Ehepartner vorgenommen werden, ist ein Gespräch mit der Kirchenleitung notwendig. Diese „fein abgestufte“ Praxis ist kaum mit plausiblen Argumenten zu füllen.
Hier gleicht die kirchengesetzliche Praxis eher der eines „angeschlagenen Boxers“, der von einer in die nächste ideologische Ecke taumelt, wie es OKR Thies Gundlach einmal von der römischen Kirche meinte aussagen zu müssen.

2 Kommentare

  1. knuuut sagt

    Ein Amtsbruder kann meine Position in dieser Frage nur schwer teilen. Er hat seine Sichtweise auf seinem Blog dargestellt:
    http://goo.gl/zYfpY

    Meine Antwort darauf habe ich bei Google Plus gepostet http://goo.gl/VuQhL .
    Weil sie sich aber als inhaltliche Ergänzung zu meinen Ausführungen versteht, soll das ganze auch hier zu lesen sein.
    Hier als meine Antwort:

    „Auch wenn ich ihrem Argumentationsgang folgen kann und an einigen Punkten sogar zustimmen würde. Mit dem „bewusst argumentativem schummeln“ kann ich mich nun gar nicht anfreunden!

    Denn die „Liebe Gottes zu den Menschen“ ist nun mal der Blickwinkel aus der sich evangelische Ethik mit ihrer Urteilsbildung speist.
    Und: „Nächstenliebe“ und „eheliche Liebe“ sind wohl zu unterscheiden, kategorial aber eben nicht zu trennen.

    Insofern muss es für christliche Rede stets möglich sein von „der Liebe“ zu sprechen.
    Von der Liebe, deren Wesen sich gerade in der Relation von Freiheit und Bindung konstituiert. Das außerordentlich Schöne an einem so bestimmten Begriff von „Liebe“ ist, dass er sich als theologisch orientierter auch noch als konstitutiv für zwischenmenschliche Liebe erweist.

    Die Liebe schummelt nicht! Niemals.“

  2. Daß die gesetzliche Lage so aussieht, ist man ja gewohnt. Und ich hatte bisher auch nie große Probleme damit, es gibt ja ein Grundvertrauen auch der Kirchenleitung gegenüber.
    Was mich wundert ist, daß hier so klar auf der Regelung bestanden wird, ohne eine stichhaltige theologische Erklärung zu bringen.
    Daß das Gesetz so ist, weiß inzwischen ja jeder. Aber warum es so ist, und warum Ausnahmen zugelassen werden können, steht auf einem anderen Blatt, und das liegt wohl irgendwo in irgendwelchen Schreibtischen weggeschlossen.
    Man hat gehört, daß Ausnahmen nur möglich seien, wenn der Partner einer ACK Kirche angehöre. Aber auch dafür gab es noch keine Erklärung, so daß man nur mutmaßen kann. Und das kann sich dann in alle Richtungen entwickeln.

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