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Vom Zwang zur Visualisierung (Hell No!)

Kurve geht nach unten

foto: sxc.hu

Info Graphiken sind beliebt schließlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und wenn man zu einer Präsentation noch tausend Worte Vortrag „gratis“ dazu bekommt, steht der (Verkaufs-) Erfolg fast garantiert ins Haus.
Die vermeintliche Klarheit der Aussage könnte aber auch schlicht verloren gehen, weil eine Elementarisierung nicht selten eine Simplifizierung nach sich zieht.
In diese Falle sind wohl auch einige Programmierer von openbible.info getappt.

Das Ziel positive und negative Aussagen der Bibel zu filtern, zu summieren und anschließend graphisch zu präsentieren scheint gründlich misslungen. Die Lesbarkeit gelingt nur mit Mühe, der Gehalt jedoch erschließt sich nicht. Jedenfalls mir nicht:
Der grundlegende Fehler scheint darin zu liegen, dass die Bibel als ein Buch betrachtet wird, dass Gegenstand einer solchen stilistischen Betrachtung sein kann.
Nun ist die Bibel allerdings kein Buch, sonder eine Bibliothek aus verschiedenen Büchern. Würde man alle meine Bücher eines Regalmeters auf diese Weise untersuchen, welchen Sinn sollte das machen? Das Ergebnis aber wäre vermutlich dasselbe: Es finden sich sowohl positive wie negative Aussagen darin.

Aber selbst wenn man nun die Einzeluntersuchung der einzelnen biblischen Bücher anschaut lässt sich daraus kein Erkenntnisgewinn ziehen. Betrachtet man z.B. die Amplituden des sehr überschaubaren Amosbuches, findet man ein fast ausgewogenes Verhältnis von „schwarzen“ und „roten“ Bereichen. Allerdings lässt sich mit einigem Einleitungswissen in alttestamentlicher Theologie belegen, dass Amos ein reiner „Unheils-Prophet“ war. Sämtliche (positiven?) Heilsworte sind sekundär eingetragen.
Folglich müsste eine aussagekräftige Graphik für dieses Buch ausschließlich schwarze Bereiche zeigen, um dem eigenen Anspruch von Visualisierung vorhandener negativer Aussagen gerecht zu werden.

Ähnliches ließe sich verschärft vom Jesajabuch sagen. Schließlich handelt es sich hier um mindestens zwei verschiedene Schriftsteller (Kap.1-39 Jesaja; Kap. 40-55 ein namenloser anderer Prophet zu einer anderen Zeit). Welchen Sinn macht es zwei unterschiedliche Schriftsteller unter ein und demselben „Buch“ zu behandeln zu wollen um Aussagen über ihrer beider positiven wie negativen Vorlieben zu machen.

Aber vielleicht sehe ich das alles viel zu (Theologen-) kritisch und die programmierfreudigen PhP Freunde unter euch belehren mich eines besseren.
Ich entdecke darin nur einen unbändigen Zwang zur ständigen Visualisierung komplexer Zusammenhänge, die sich leider oft eben nicht elementarisieren lassen.

In Zusammenhang, ist es vielleicht gar nicht verkehrt von einer „Amenisierung“ zu sprechen.
Denn unter getamen.com kann man Dinge, Personen und Orte in genau diese beiden Kategorien einteilen.
Im Fall der gerade skizzierten Bibel Analyse würde ich glatt zu einem „Hell No“ tendieren.