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Nikolaus Schneider zum Kirchentag in Dresden

Schild mit Strike

foto: sxc.hu

Der Kirchentag in Dresden ist vorbei. Die Stimmen der Teilnehmenden waren voll des Lobes. Da liegt es nahe Bilanz zu ziehen. Auch der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland tut das. In einem Interview mit Matthias Dobrinski im Deutschlandfunk.
Nikolaus Schneider wirkt angespannt. Dabei sind Dobrinskis Fragen sehr wohlwollend formuliert, bisweilen sind sie so, dass die Antwort bereits darin enthalten scheint und bloße Zustimmung schon als Antwort gelten kann. Wegweisendes dagegen hört man wenig.
„Im Gespräch bleiben ist wichtig“ ist der Grundtenor von Schneiders Aussagen.
Im Gespräch bleiben mit den Konfessionslosen in den östlichen Bundesländern (sie scheint es nur dort zu geben) ist wichtig.
Ebenso wichtig ist es mit dem Verteidigungsminister im Diskurs zu stehen (durchaus „hier und da in Differenz, und das ist auch gut so“). Schließlich ist „man“ auch mit dem Papst demnächst in Erfurt im Gespräch, von dem man allerdings nicht zuviel erwarten soll, kein Wunder, denn der Zeitplan sieht kam mehr vor als das Protokoll erlaubt.

Vom Jahr der Taufe erwartet Schneider einiges, denn diese sei das ökumenische Zeichen, welches sichtbarer heraus gestellt werden solle.
In der Tat tut das Not, denn obwohl es nur eine christliche Taufe gibt, werden evangelische Paten bei einer römisch-katholischen Taufe behandelt wie konfessionslose, sprich es sind keine Paten im kirchenrechtlichen Sinne. Wenn der Papstbesuch in diese Frage wirklich etwas bewirkt, ist schon sehr viel gewonnen.

Immerhin gelingt es dem Ratsvorsitzenden deutlich zu machen, dass es nach evangelischem Verständnis nicht darum geht, dass „die Kirche“ „der Gesellschaft“ vorschreibt, was ethisch vertretbar ist. Schließlich ist „die Kirche“ nicht im Besitz der Wahrheit, sondern ist ebenfalls Empfängerin der Botschaft, nämlich des Evangeliums von Jesus Christus, wie er uns in der Schrift „offenbart“ ist.
Insofern ist die Schrift die normierende Kraft ethischer Fragestellungen und nicht „die Kirche“.

Eine Steilvorlage liefert Dobrinski, dem Ratsvorsitzenden, als er fragt, wie denn die Haltung der evangelischen Kirche zur Judenmission sei. Immerhin habe es auf dem Kirchentag auch eine Gruppe gegeben, die sich dafür mit Transparenten vor der Synagoge stark gemacht habe.
Da die evangelische Kirche im Rheinland (deren Präses Nikolaus Schneider hauptamtlich ist) in ihrem Synodal Beschluss von 1980 diesem Anliegen bereits deutlich eine Absage erteilt hat, wundert es nicht, dass Schneider hier deutlich ablehnende Worte findet. Ob es allerdings geschickt ist in der Bezugnahme auf die Kapitel 9-11 des Römerbriefes mit der umstrittenen Aussage, dass die „Kirche“ „Israel“ zum Glauben „reizen“ solle, zu beginnen, bleibt dahingestellt oder mag als theologische Spitzfindigkeit abgetan werden.

Am Ende des Interviews zum Kirchentag als der evangelischen Basisveranstaltung bleibt ein merkwürdiger Nachklang, der folgendermaßen klingen könnte:
„Der Außenminister, der Papst, der Apostel Paulus und Ich“. Zeigt sich hier die neue Linie der EKD, die neuerdings mehr mit den (Verantwortungs-) Eliten „ins Gespräch kommen“ will? Das entsprechende Positionspapier steht für die Web 2.0 Avantgarde immerhin schon zum download bereit.