Monate: Dezember 2010

Wozu noch Kirche?

Ein nachdenkliche Wort an Heiligabend von Friedemann Greiner. Das tut gut angesichts sonst zu lesender Vollmundigkeit: „Die Kirchen sind mit ihrer eigenen Ohnmacht konfrontiert. Grauenhafter Missbrauch und Glaubwürdigkeitsverlust geschehen in einer Zeit, in der es einen unglaublichen Boom gibt, was die Sehnsucht nach ‚Sinn‘ anbelangt. Die Ressource ‚Sinn‘ ist mehr denn je gefragt. Die ‚Kundschaft‘ für die Kirchen ist zweifellos da, sie kauft sich allerdings immer öfter woanders ein, nicht jedoch bei den bisherigen ‚Sinn-Agenturen‘. Die Kirchen manövrieren sich ins Abseits, wenn sie nicht begreifen, dass ihr Monopolanspruch schon längst aufgehört hat zu existieren. Wer ein Monopol aufgeben muss, das weiß Gott satt und träge im Geist macht, der sollte nicht jammern, sondern sich der Konkurrenz stellen. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft auf die christliche Botschaft nicht verzichten kann, ohne wesentliche geistige, kulturelle und soziale Errungenschaften preiszugeben. Allerdings verbietet sich jegliche geistige und geistliche Arroganz. Respekt im Gespräch mit Andersdenkenden und Andersglaubenden – als Christen haben wir darin durchaus Nachholbedarf!“ Friedemann Greiner, 64, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing

Vom Kind infiziert?

Da erhalte ich vom Oberkirchenrat D. und dem Präses der rheinischen Landeskirche ein weihnachtliches Schreiben, dass in Form einer „Informationsbroschüre“ zum Konfirmandenunterricht gehalten ist oder in der neue Kirchengesetze ihre Verlautbarung finden. Bei ungefähr 2000 PfarrerInen im Rheinland mag das ein Tribut an die Kosten sein. Aber was ich das lese verschlägt mir die Sprache! Es ist von einem Kind die Rede, das „nach wie vor die Kraft besitzt, Menschen zu infizieren“. Nun möchten die meisten Menschen, gerade in dieser „weihnachtsmarktlastigen“ Zeit gar nicht infiziert werden. Und dieses Kind besitzt nun die Chuzpe -respektive Dynamis- es trotzdem zu vollbringen? Nun, ich nehme an, die Wortwahl des Infektes will gewiss provozieren. Das wollen die Rheinländer ja meistens! Aber hier geht der virale Schuss doch nach hinten los. Denn es geht weiter mit der Bemerkung: „Damit muss man -Gott sei Dank- bei diesem Weihnachtsgeschenk rechnen.“ SORRY! „Gott sei Dank“ erfreue ich mich im Moment noch mäßiger Gesundheit und es wäre im Interesse meines Dienstgebers, dass das auch bis zum 2.1.2011 so bleibt. Ich möchte gar nicht infiziert …

Wie infantil ist Weihnachten?

„Weihnachten ist Katzenberger“. So könnte man den Artikel von Arno Kleinebeckel zusammen fassen. Dass sich jemand über das nicht zu seinem Lifestyle passendes Fest Luft macht ist nachvollziehbar, für manchen sogar verständlich. Und dass darin betont wird, dieses Fest habe in sich gleich mehrere „Schwindel“ zeigt ein Behüten diesem „Event Weihnachten“ irgendwie auf die Schliche zu kommen. Das finde ich zunächst einmal sympathisch. Und die These, dass das Fest ohne religiösen „Kontext“ auskommt wird dann richtig, wenn „religiös“ gegen „kirchlich“ ausgetauscht wird Nun ließe sich zu den vielen (teilweise auch theologisch angeschnittenen) Punkten einiges erwidern, ich möchte aber nur auf die Quintessenz des Artikels eingehen, die da lautet: „Das Wesen des Festes ist der infantile Ritus selbst, die Wiederholung des Immer-Gleichen. Mag auch sonst alles fraglicher geworden sein.“