Monate: Oktober 2010

Helloluther!

So mancher evangelische Christ würde am 31.10 am liebsten wohl auch die Kürbissuppe verbieten. Seit sich das „Gruselfest“ in den letzten zehn Jahren immer mehr zum Kassenschlager entwickelt hat, radikalisiert sich die Debatte um den Brauch zunehmend. Seit diesem Jahr gebe ich mich geschlagen! Man kann eben keine Kürbisse an Kirchentüren nageln, und falls es doch gelingen sollte: leuchten werden sie davon immer noch nicht! Das heisst aber doch lange noch nicht, dass damit inhaltlich irgendetwas beschrieben wäre. Vielleicht müssten wir Evangelische so kreativ sein und das Thema „Ewigkeit“ nicht nur am „Totensonntag“, sondern auch am Reformationstag zur Sprache bringen? 2007 in der Evangelischen Kirchengemeinde Eppelheim wurde ein Jugendgottesdienst gefeiert zu Helloween und dem Reformationstag! Und die Churchnight wird ja auch immer bekannter. Die mittlerweile auch überaus bekannten Lutherbonbons sind zwar witzig gemeint (hoffentlich!) kommen aber weniger süß als vielmehr „moralin-sauer“ rüber. Heiko hat auf evangelisch.de einen schönen Artikel dazu verfasst, daran hätte Luther bestimmt seine Freude gehabt. Und für alle die dem nicht meinen zustimmen zu können (und im „seinem“ Jahr sei das erlaubt anzumerken): Melanchton hätte daran gar keinen Spass gehabt. …

Reden von einem Gott, den es nicht gibt.

Einfach von Gott zu reden, dieser Versuch wird tagtäglich von hauptamtlichen Christen unternommen, und von vielen anderen auch. Die Berufschristen haben viel Literatur darüber zur Kenntnis genommen und noch mehr davon links liegen lassen. Die Ausgangslage hat sich (seit 1925 „Welchen Sinn hat es von Gott zu reden?“) nicht verändert. Ergänzend könnte natürlich gefragt werden welchen Sinn es macht, das in 140 Zeichen bzw. 1:30 Min zu tun. Aber das wäre einen neuen Blogeintrag wert. Gott als Wort unserer Sprache, als Begriff, als etwas das wir damit bezeichnen, ist weniger fragwürdig als zu Bultmanns Zeiten. Der Status-Reflex (Wenn der Papst/Pfarrer bzw. theologische Fachmann das glaubt, kann es so verkehrt nicht sein!) greift in einer komplexer werdenden Welt weit stärker als gedacht (siehe P.L. Berger in seiner neuen „Elefanten Analyse“). In der Universitären Theologie ist das oft nicht anders: Wenn allen voran Luther, Schleiermacher, Barth, Tillich, Pannenberg, Jüngel, Dahlferth, Herms usw. das gut begründen können, muss es für den stud. theol. und späteren Pfarrer auch reichen. Das kann man beklagen aber nicht leugnen. In anderen Bereichen …

Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht (D. Bonhoeffer)

Da hab ich gestern in twitternder iPod-Laune ein bekanntes Zitat von Bonhoeffer benutzt und daraus ist in einem andern Blog, (den ich hier nicht verlinke, weil der Autor anonym bleiben will) ein interessanter Kommentar entstanden, den ich hier posten möchte, damit er mir nicht verloren geht. Alexander Ebel hat ihn für sich auch schon digital archiviert. Warum diesen Kommentar dann nicht in den (kirchlichen) Kontext „zurück bringen“ in der er ursprünglich gehört. Volker Nies (helias00) hat ihn geschrieben. Es zeugt von großem theologischem Sachverstand, Chapeau! Nun hat er einen eigenen Blog eröffnet und den Diskussionsgang dort entfaltet: Volker Nies hat zu dem Bonhoeffer Zitat „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“ (Widerstand und Ergebung, DBW 8, S.514f. Er bezieht sich aber auf seine Aussagen in „Akt und Sein“ S. 94) folgendes angemerkt: Um Bonhoeffer zu verstehen ist weit mehr nötig als drei, vier tweets. Eigentlich braucht es einen soliden background an philosophischen Positionen, um das Zitat angemessen deuten zu können. Man kann den genannten Ausspruch jetzt entweder epistemologisch, fundamentalontologisch oder religionsphilosophisch deuten.


Nikolaus Schneider: Der Islam gehört auf andere Weise zu Deutschland

Präses Schneider hat in einem Interview in der „WELT“ über seine Motivation gesprochen Ratsvorsitzender der EKD zu werden. Daneben sprach er auch über die andauernde Integrationsdebatte, ja sogar über Theologie. Auf die Frage an seiner Freude an dem Amt des Ratsvorsitzenden „bekannte“ er: Es ist wunderbar zu erleben, wie mir hier in der EKD zugearbeitet wird, und die Möglichkeit zur Teilnahme an öffentlichen Debatten ist verlockend groß. Das heißt frei übersetzt:

Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2010

Da ist die Interkulturelle Woche gerade vorbei und weil sie bereits seit 1975 stattfindet ist sie nur in wenigen Köpfen präsent! Auch in Horst Seehofers Kopf, der genau weiß, wann er welche populistische Tonlage anstimmen muss. Er hält das ganze wahrscheinlich für eine Multi-Kul†i Reliquie der „Grünen“. Angesichts der unerträglichen Angriffe auf die erste (ja nicht wirklich bahnbrechende) Rede des Bundespräsidenten muss ernsthaft an der Regierungsfähigkeit so mancher Wortführer in einer „christlichen“ Partei gefragt werden. Diese sollten das gemeinsame Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche wenigstens zur Kenntnis nehmen, und daraufhin prüfen, ob sie als Richtschnur ihres politischen Handelns wirklich aus dem so oft zitierten „christliche-abendländischen“ „Wertekanon“ schöpfen. Ich habe eher den Verdacht, dass das eine ebenso floskelhafte Redewendung zu sein scheint, wie „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ (neuerdings nur noch „Demokratie“ genannt. Und wenn Minister von „parlamentarischer Demokratie“ reden ist äußerste Aufmerksamkeit geboten: Übersetzt heißt das nämlich: „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!). Angesichts dieser Umstände ist noch einmal an das Wort zur Interkulturellen Woche zu erinnern: „Die Frage nach der Zukunft bewegt jeden Menschen, nicht …

Nikolaus Schneider zu Gast bei Tacheles

Unser (ekir) Präses und Ratsvorsitzender gefällt mir in seinen aktuellen Äußerungen immer besser. Am kommenden Sonntag wird er in einer Fernsehdiskussion zu sehen sein (Phoenix: 17.10.2010 um 13 Uhr und am 24.10.2010 um 22.30 Uhr ) Sein Statement zur aktuellen Debatte um den Islam ist jedenfalls mehr als beachtlich: Wenn wir über Jugendgewalt sprechen, müssen wir die Gründe genau betrachten. Dass gerade junge Muslime zur Gewaltbereitschaft neigen, wie die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gezeigt hat, hängt vor allem mit der Lebenssituation und Perspektivlosigkeit dieser jungen Menschen zusammen. Wenn sie keine Chance bekommen, wenn sie sozial benachteiligt werden, wenn sie frustriert sind und sich dann auf Gewalt rechtfertigende aussagen ihrer Religion beziehen, kann das in Gewalt enden. Diese Jugendlichen leben in unserer Gesellschaft. Sie könnten von dieser Gesellschaft profitieren. Sie haben Angebote und Möglichkeiten. Aber sie nutzen sie nicht. Da müssen wir fragen: Woran liegt das? Wir können allerdings nicht alle Problem auf die Gesellschaft schieben. Diese jungen Menschen müssen auch selber Verantwortung tragen. Aber den Islam als Ursache zu suchen, greift zu kurz. Der …

Twitter ist auch böse!

Kaum drückt man in einer Schnapslaune den „Retweet-Button“ auf Twitter und hat seine Beiträge auch noch in seinem Blog verlinkt, kann man sich vor Suchanfragen kaum retten. Als Motiv zur Suchanfrage ist Boshaftigkeit nicht auszuschließen, wenngleich im Fall des Außenministers schon einiges aufgewendet werden muss, um wirklich böse zu sein! So jedenfalls geht es mir mit einem Zitat aus den letzten Mitternachtsspitzen: Herbert Knebel brachte in seiner Rolle als Helmut Schmidt (in „Loki und Smoki“) das Zitat: „Wenn man einen Vollpfosten wie Westerwelle zum Außenminister macht, braucht das Volk nicht weniger, sondern mehr Alkohol.“ Der erste, der dieses Zitat twitterte war muehlenwind und sein tweet wurde 89 mal weiterverbreitet, u.a. auch von mir. Dass Twitter als Suchmaschine „Google“ (und die sind ja seit Street View auch böse) immer mehr abzulösen scheint, ist offensichtlich. Was ich mir zusätzlich wünschen würde wäre eine #hashtag Einbindung in den Fließtext von Blogs, dann könnte man diejenigen, die mit Kanonen auf Spatzen schießen (wie #westerwelle auf #hartzIV Empfänger) noch schneller und effizienter belangen. Dazu ist, neben den technischen Voraussetzungen, vor …