Monate: September 2010

Sind wir ein Volk von Erbsenzählern,

oder haben wir einfach nur verlernt, was staatliches Handeln heißt? Das darf man angesichts der aktuellen Debatte über Armut und Hartz IV schon fragen. Geht es denn wirklich um fünf oder 20 EUR? Doch wohl kam, wenngleich der Unterschied für die Betroffenen immens ist. Vor allem geht es darum das Wort „Sozialstaat“ auf dem Hintergrund der Globalisierung neu zu definieren. Dazu scheint die Politik keine Antworten formulieren zu können, flüchtet sich gleichsam in Tabellen und Statistiken um die eigene Ratlosigkeit zu verstecken. Der „große Wurf“, eine „Reform“, neuerdings sogar das (Energie)-„konzept“, es war sogar von „Revolution“ die Rede, die Bedeutungsschwere der Begriffe steht in keinem Verhältnis zum Ergebnisertrag. Die gesamte Hartz IV Debatte zeigt, dass höchst unklar ist, welchen Umgang wir mit „schwachen“ Menschen in unserer Gesellschaft pflegen wollen. Längst ist „Hartz IV“ zum Stigma derer geworden, die dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind. Daran ändert auch eine neue Begrifflichkeit nichts. Was bleibt denn anderes übrig als „gesellschaftliche Teilhabe“ zu ermöglichen, wie die Kirchen sie immer wieder fordern? Dagegen wir allerdings immer deutlicher angegangen: Die Rede …

Nikolaus Schneider zu Atomkraftwerken

Nikolaus Schneiders deutliche Töne kommen in der Frage der Atomtechnologie deutlich zum tragen. Auf der EKD-Seite ist heute zu lesen: (epd) Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kritisiert die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke als unverantwortlich. „Der Atommüll strahlt derart lange, dass wir für einen Zeitraum Verantwortung übernehmen müssen, der von Menschen real nicht übernommen werden kann“, sagte der rheinische Präses der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochsausgabe). „Wir überschreiten hier das menschliche Maß.“ Durch die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung werde weiter Atommüll in Massen erzeugt. Bis heute sei unklar, wo dieser Abfall gelagert werden könne. Schneider: „Es ist nicht zu verantworten, dass kommenden Generationen ein solch ungelöstes und weiter wachsendes Problem hinterlassen wird.“ Richtig sei zwar, „dass wir voraussichtlich eine Technologiebrücke hin zu den erneuerbaren Energien benötigen“, fügte der Präses hinzu. Man werde tatsächlich auf Kohle und Gas nicht verzichten können. „Die Energiebrücke kann aber aus Sicht der EKD nicht die Atomtechnologie sein.“ Denn diese erfordere in einer Weise Perfektion, „wie sie Menschen zu leisten nicht in der Lage sind“. Die Vorkommnisse …

Musik als heilige Messe

Von einem evangelischen Pfarrer ein Plädoyer für den Katholizismus zu erwarten, ist in der Tat zuviel verlangt. Dennoch gibt es hin und wieder die (Sehn-)Sucht nach „greifbarem“ und nicht nach „Wort“, nach „Inszenierung“ und nicht nach „Nüchternheit“. Das in der eignen Konfession zu suchen ist schwierig: Ich erinnere mich während meines Studiums in Leipzig unvorbereitet in einen lutherischen Gottesdienst geraten zu sein. Ich fühlte mich wie in einem Hochamt. Seitdem ich auf die gegenüberliegende Strassenseite zu den reformierten. Da fühlte ich mich merklich wohler! Gleichwohl: In der Pilgermesse in Santiago de Compostella war es schon beeindruckend, obwohl das riesige Weihrauchfass gar nicht durch das Kirchenschiff pfiff. Ob es die körperliche Erschöpfung und (oder) der Umstand war, dass ich nichts von dem spanisch verstand, diese Messe hat bleiben Eindruck hinterlassen. Wenn mich mal wieder dieses „Compostella-Gefühl“ überkam, ging ich aber nicht in den Dom, sondern legte meine persönliche „best of U2“ CD auf. Dann war die Welt auch wieder in Ordnung. Seitdem ist einige Zeit vergangen. Auf Bonos „Gejammer“ folgte Kindergejammer, und wenn „Kindermusik“ Zukunftsmusik ist, …

googeln für den Regenwald!

Es ist ja schon etwas her, dass ich nach Alternativen zu Google gesucht habe. Inzwischen hab ich mich dem vollen Programm ergeben: Google Konto, Google Analytics, Google Webmaster Tools, hatte so gar mal einen Gutschein für AdWords, der meine Besucherzahlen nach oben schnellen ließ. Eben alles, was das Bloggerherz so begehrt. Nun hat jemand bei Forestle.org gesucht und ist auf meinem Blog gelandet (hoffentlich hat er gefunden, was er suchte. In diesem Fall einen Beitrag zum umstrittenen Titanic-Cover.) Was ich zunächst für ein schwäbisches Idiom hielt stellt sich bei näherer Betrachtung als (Yahoo-) Suchmaschine mit „grünem“ Anstrich heraus. Ganz so wie „Bier trinken“ für den Regenwald, nun googeln (seit 2004 so im Duden!) für den Regenwald. Nun bin ich ja anfällig für diese Themen, wenngleich ich es immer schwieriger finde wirklich zu bewerten, ob das ganze wirklich auch seriös ist. Nun kenn ich weder die Partnerorganisation Nature Conservancy noch die netten Herren CEO. Aber etwas falsch machen, kann man sicher nicht, wenn man auf die Suche mit Yahoo steht. Ob die Gelder wirklich für die …

Mediale Aufmerksamkeit und deren Folgen

Wenn ich mir den 9/11 Hype um die krude PR-Aktion von „Pastor“ Terry Jones ansehe, bekomme ich doch den Verdacht, dass sich Nachrichten (und leider auch deren Bewertung!) immer öfter in 140 Zeichen pressen lassen müssen. Schaue ich mir meine Twitter-Timeline an, bekomme ich beim hashtag #kirche überwiegend Beiträge, die am liebsten alle Religionen abschaffen würden. Gegen „Islam“ und „Christentum“ kann man offenbar guten Gewissens sein, schließlich sind Religionen doch an den meisten Konfliktherden der Welt unmittelbar beteiligt… Dass „die Medien“ die Zuspitzung lieben (siehe „Deutschland schaffte sich ab“) und gerade deshalb mit kurzen „Top-News“ die größte Verbreitung finden ist jedenfalls gewollt. Für Hintergründe und Recherche bleibt den jeder „Konsument“ selbst verantwortlich. Gerade diese Recherche bleibt aber oft aus, denn die vielen „Häppchen-Nachrichten“ geben doch das gute Gefühl informiert zu sein. Da kann dann bei vielen Themen munter mit-schwadroniert werden. Und selbst ein Bundespräsident gibt in seinem Amt plötzlich eine Bewertung ab, wenn ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird. Im Fall der Christen-Sekte in Florida konnte man leicht herausfinden, dass die ganze 50 …

Komm zurück Margot!

Dass die ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann aus den USA ihre Erfahrungen auf evangelisch.de bloggt findet in der Presse hohen Anklang. Nicht nur dass sie schreibt, sondern besonders wie sie schreibt hinterlässt offenbar bleibenden Eindruck. Sie ist nach wie vor das menschliche Gesicht des deutschen Protestantismus. Und medial präsenter als ihr Nachfolger im Amt Nikolaus Schneider. Während Käßmann ein sympathisches und bemerkenswertes Interview in der Zeit gibt, gibt es ein nicht sehr professionelles Interview mit ihm zum Thema „Neue Medien“ (Tenor: Man darf die Menschen nicht überfordern). Während Käßmann bloggt liest man dort sehr viel kritisches, vor allem, wenn es um das Thema „Geschwindigkeit“ geht. (Ich frage mich manchmal, ob wir die Menschen in unseren Gottesdiensten nicht eher mit dem „nicht-singbaren“ Wochenlied überfordern…) Gleichzeit sieht Schneider, dass das Netz auch „in der klassischen Frauenhilfsstunde“ bald eine große Rolle spielen wird, und auch unsere Gremienarbeit sich im Netz abspielen wird. Gut, wenn wir den sarrazinschen Betrachtungszeitraum auf die nächsten 120 Jahr legen, könnte das durchaus angehen… Die kirchlichen Realitäten sehen anders aus: -nein, keine Aufzählung, das wäre …

Totes Baby zum Leben erweckt!

In Australien soll eine Mutter ihr totgeborenes Baby durch streicheln ins Leben zurück geholt haben. Es war eine Zwillingsgeburt und eines der Babys hatte die Geburt nicht überlebt. Nach zwei Stunden des „Verabschiedens“ hätte das Kind angefangen zu Atmen, berichtet die Mutter nun. Wir brauchen offenbar „Oster“-Erfahrungen für unser Leben. Wir wollen Hoffnung gegen den Tod. Sich eine Welt ohne Wunder vorstellen zu wollen ist unmenschlich! Das ist nicht im Sinne von Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ gemeint. Ich denke da eher an Geschichten wie diese: Markusevangelium Kapitel5 oder Lukasevangelium Kapitel 16 Vers 31 (Lk16,31) Hätte Jesus zu der Mutter gesagt: „Dein Glaube hat dir geholfen?“ (Lk8,48)