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Der Tod kennt keinen Plan „B“

Neon schrift EXIL

foto: sxc.hu

Nach dem Tod von Christoph Schlingensief wird die Lücke, die er lässt sehr nur zu schnell deutlich.
Die Gestaltung des Deutschen Biennale-Pavillons 2011 in Venedig ist jetzt unklar.

„Seit vier Jahren lebt und arbeitet er mit dieser Krankheit, es gibt keinen Anlass, irgendwelche Zukunftsprognosen jetzt zu machen, und es gibt überhaupt keinen Anlass, von einem Plan B zu sprechen und jetzt diese Überlegungen anzustellen“, sagte die Kuratorin Susanne Gaensheimer noch im Juni diesen Jahres auf die Frage, ob es nicht an der Zeit sei über eine Alternative zu Schlingensief nachzudenken.
Die Kuratorin hat recht getan!
Denn der Tod fragt nie, ob wir einstimmen.
Er fragt nicht, ob und wann uns der Zeitpunkt recht ist.
Er hat uns auch in den letzten Jahren nicht danach gefragt, wie wir ohne solch einen Performer zurechtkommen werden.

Anders aber ist es mit Gott.
Gott fragt uns danach, ja er bittet uns, daß wir einstimmen.
Er bittet und wirbt um unser Vertrauen.
Aber er zwingt und nötigt uns nicht.

Gott bittet und wirbt um unser Vertrauen, wenn die Grundfesten unseres Lebens ins Wanken geraten sind.
Er wirbt um unser Vertrauen, weil er die Tiefe kennt. Er hat sich weit hinunter in die Tiefe begeben.
Im Glaubensbekenntnis sprechen wir aus: hinabgestiegen in das Reich des Todes. Vom Himmel herabgekommen hat sich Gott in die Tiefe begeben. Auf die Erde herabgekommen und unter die Erde gebracht, ist Jesus Christus auferstanden von den Toten.
So bürgt er dafür, daß genau dort, wo unsere Wege am Ende sind, er noch nicht am Ende ist, sondern am Ziel.
Wo in unseren Augen alles aus, ist da sagt er uns zu: mein Weg mit dir endet nicht einfach plötzlich am Grab, sondern hat ein Ziel.
Für uns in den Tod gegangen und am dritten Tage auferstanden bürgt er dafür, daß das, was wir verloren glaubten, zu Gott zurückkehrt. Dort ist auch unser Leben geborgen, dort sind wir am Ziel- und gerade nicht am Ende.

Dort ist auch unser Künstler nun.
Er ist bei Gott am Ziel seiner Wege.
Von dorther fällt sein Licht, in das gelebte und vor unserern Augen so schnell abgebrochene Leben.
Sein Licht, das auch dem unvollendeten und abgebrochenen Dasein Bedeutung gibt.

Nein, nichts war umsonst in dem kurzen, aber reichen Leben…:

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,
sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ Jesajabuch Kapitel 55