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Schleiermacher über Vulkane


„Alle Räder stehen still, wenn der starke Arm es will“. Im aktuellen Fall ist der starke Arm ein isländischer Vulkan und wir müssen als moderne Gesellschaft feststellen, wie abhängig wir von Naturgewalten sind.
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, das gilt im Moment nur für eine Flughöhe über elft tausend Metern. Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl liegen offenbar sehr dicht beieinander.
Das reizt den Theologen natürlich und ruft fast unweigerlich nach der Lektüre des großen Friedrich Schleiermacher. (Eine ganz kurze Einführung in Schleiermachers Denken -aus fundamental barthianischer Sicht- gibt Theoblog (link zum PDF-File).

In Schleiermachers §4 der Glaubenslehre heißt es:

Denken wir uns nun Abhängigkeitsgefühl und Freiheitsgefühl in dem Sinne als eines, daß nicht nur Subjekt, sondern auch das mitgesetzte Andere in beiden dasselbige ist: so ist dann das aus beiden zusammengesetzte Gesamtselbstbewußtsein das der Wechselwirkung des Subjektes mit dem mitgesetzten Anderen. (…) Demnach ist unser Selbstbewußtsein als Bewußtsein unseres Seins in der Welt oder unseres Zusammenseins mit der Welt, eine Reihe von geteiltem Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl; … Wir mögen unsere Verhältnisse zur Natur betrachten oder die in der menschlichen Gesellschaft, so finden wir eine große Menge von Gegenständen in bezug auf welche Freiheit und Abhängigkeit sich sehr das Gleichgewicht halten, und diese konstituieren das Gebiet der Gleichheit in der Wechselwirkung. Andere üben eine weit größere Einwirkung auf unsere Empfänglichkeit aus als die Einwirkung unserer Selbständigkeit auf sie und so auch umgegehrt, so daß eines von beiden sich auf ein unmerklich Kleines beschränken kann, aber nie wird eines von beiden Gliedern gänzlich verschwinden.

Ist doch großartig, oder? Schlunkfunk sagt „tröstlich“.