Predigt

Karfreitag

Asia – Philippines / Crucifixion, ursprünglich hochgeladen von Rudi Roels

Wenn jemand zu Kreuze kriechen muss, hat das einen besonderen Grund. Im Mittelalter war es üblich, am Gründonnerstag und dem heutigen Karfreitag „zu Kreuze kriechend“ des Todes Jesu zu gedenken.

„Zu Kreuze kriechend“ war durchaus wörtlich zu verstehen.
Das kennen wir heute (wie so vieles) nur noch aus dem Film.
Heute ist der blutigen Prozession dezente Trauer gewichen.
Wenn überhaupt, denn längst ist Ostern beherrschender Aufmerksamkeit zugekommen. In Form von Frühlingsfest und Schokoprozession durch häusliche Gärten. Dennoch feiern wir als Kirchengemeinde diesen Tag. Und wir begehen ihn als sogar höchsten evangelischen Feiertag.

Was für einen Grund haben wir, Karfreitag zu feiern?
Der Predigttext für den heutigen Karfreitag versucht darauf eine Antwort.
Er steht im 2.Korbrief Kap 5 VV 14-21

Die Liebe Christi drängt uns, zumal wir überzeugt sind, dass, wenn „einer“ für alle gestorben ist, so sind sie „alle“ gestorben. 15 Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 16 Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. 17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Gott da, wo nur noch Gottesfinsternis ist.
Gott da, wo nach menschlicher Erfahrung alles aus ist.
Gott da, wo die Kreuze und Opfer schon gleichgültig geworden sind.
So ließe sich mit knappen Worten umschreiben, worum es am Karfreitag geht. Aber der Widerstand dagegen wächst.
Auch in den eignen Reihen.
„Was ist das für ein Gott, wird da gefragt, der solch ein blutiges Sektakel braucht.
Was ist das für ein ein Gott, der sein eignes Kind als Opfer sterben lassen muss, damit sein Zorn gestillt werde.
„An einen solchen Gott kann ich nicht glauben“, sagt mittlerweile ein pensionierter Pfarrer und Superintendent. Nun könnte man meinen, (und das tut wohl der pensionierte Süperintendent auch) Jesus vermittele zwischen uns und seinem Vater.
In unserer Geschichte aber vom Kreuz, ist Jesus nicht Vermittler, sondern das Mittel selbst!!

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber,“ heißt es im heutigen Predigttext.
Jesus vermittelt also nicht zwischen Gott und Mensch, sondern seine Person und sein Leben, ist das Mittel, ist die Mitte zwischen unseren Übertretungen und Gott. Und darum liegt Karfreitag auf der Grenze.
Auf der Grenze zwischen Leben und Tod.
Niemand anders aber kommt hier zu Kreuze gekrochen, als Gott selbst!
Das ist zugleich der Anstoß des christlichen Glaubens.
Solange der Gekreuzigte verkündigt wird, solange wird es heißen müssen: Jesus und die Sünde. „Der von keiner Sünde wusste, zur Sünde gemacht. “Seinen Tod für unser Leben.

Dem Gekreuzigten soll nun wirklich all unser Böses und die Sünde dieser Erde angehängt werden!
Gott selbst lässt sich in seinem Sohn selber nachsagen, was wir verbrochen haben. Ihm sollen wir es anhängen.
„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht.“
Nicht wir müssen deswegen zu Kreuze kriechen, sondern Gott selbst kommt zu Kreuze gekrochen.