Monate: April 2010

Vom Kreuz mit dem Amtseid und Dackeln

Da gibt es also eine Verlegenheit bei den Kirchen, wenn eine Muslima ihren ministerialen „religiösen“ Amtseid spricht. Das ist auf evangelisch.de zu lesen. Ich finde es wesentlich schlimmer, wenn die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ihren Amtseid ohne „religiöse“ Formel spricht. Kann man wirklich auf „religöse“ Begründung von Recht (als ganz und gar menschliche Angelegenheit) verzichten? Dies ist eine verfassungsrechtlich wohl nicht minder schwer zu beantwortende Frage, wie die theologische nach dem Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam. Nach dem Ökumeniker Hans Küng ist das wohl ein äußerst zu begrüßender Vorgang. Aber die Bedenkenträger sind immer schnell bei der Sache. Ich halte es da mit Hermann Barth, dem Präsidenten des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zwischen Christen und Muslimen gebe es zwar erhebliche Unterschiede beim Gottesbild und im Verständnis von Jesus Christus, doch sei der Bezug auf Gott in der Eidesformel wie auch in der Präambel des Grundgesetzes nicht exklusiv an das christliche Gottesverständnis gebunden, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Ministerin habe damit zum Ausdruck gebracht, „dass sie ihre Verantwortung in einem …

Kirche ist nicht gleich Kirche!

Heute im Deutschlandfunk in der Sendung „Kontrovers“ ging es um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. So richtig kontrovers waren die eingeladenen Gesprächsteilnehmer allerdings nicht. Herr Martin Lohmann ist ja bekanntlich bekennender Katholik, mit einer manchmal abenteuerlichen politischen Argumentationslinie. Herr Stefan Vesper sah zwar ein, dass ein Glaubwürdigkeitsproblem bestehe, man wurde aber den Eindruck nicht los, dass die Medien doch alles zu undiffernziert „hochgekocht“ hätten. Immerhin der DLF Redakteur Hartmut Kriege gab zu bedenken, dass sie die katholische Kirche in ihrem Krisenmanagment doch sehr von der Gesellschaft entfernt habe. Richtig haarsträubend (aus evangelischer Sicht) wurde es dann, als es „theologisch“ zuging: Die Kirche sei von „oben“ als göttliche Stiftung eingesetzt, durch den Stifter Christus. „Das sei nun einmal so!“ Punkt. Das nun als „theologisch“ zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Das ist noch nicht einmal dogmatisch, sondern einfach apodiktisch. Zumal der 450. Todestag von Philipp Melanchton vor gerade einer Woche dazu Anlass geben könnte, diese Ekklesiologie (die im übrigen von nicht wenigen katholischen Neutestamentlern grundlegend anders beantwortet wird) aufs neue zu hinterfragen. In der …

24 Jahre Tschernobyl

Heute nähert sich der Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl zum 24. mal. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass wir nicht in Seen schwimmen gehen sollten und auch keine Milch trinken. Seit der letzten Bundetagswahl klebt auch wieder ein alter Bekannter an meinem Auto. Inzwischen hat ihn auch meine Frau wieder akzeptiert:

Titanic Cover zur Mißbrauchsdebatte

So schnell bin ich in meinem religiösen Empfinden nicht zu erschüttern. Vor zwanzig Jahren hab ich öfter das Magazin gekauft. Über gekreuzigte Frösche und „Madonna“ als Gekreuzigte habe ich vor einigen Monaten hier schon geschrieben, ohne die Aktionen als blasphemisch zu verbannen. Das aktuelle Titanic Cover geht (selbst) mir allerdings einen Schritt zu weit. Die „spritzende“ Wunde ist das Tüpfelchen auf dem „i“, das die ganze Karrikatur als-gar-nicht-mehr-zum-Schmunzeln erscheinen lässt. Ich empfinde das auch als einen Schlag in das Gesicht der Missbrauchs Opfer! Bei facebook sollte man dieser Gruppe beitreten. Und der anderen, damit man weiß, was die denken.

Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden Mt. 20

“Kann ich mir nicht vorstellen”! werden vielleicht einige Eltern sagen. Jetzt schon so groß! Auch das gehört zum Vorstellungsgottesdienst, wenngleich das im Namen ursprünglich nicht vorgestellt war. Heute markiert der Vorstellungsgottesdienst, dass es auf die Konfirmation zugeht, dass die Zulassung zur Konfirmation durch das Presbyterium beschlossen werden wird. Und der Vorstellungsgottesdienst weist (nicht zuletzt) die Konfirmandinnen und Konfirmanden daraufhin: “Stellt euch vor: Ihr werdet konfirmiert!” In diesem Gottesdienst geht es nun allerdings auch darum, wen wir uns unter Gott vorstellen. Und es geht auch darum wie Gott sich uns vorstellen will. Wie stellen wir uns eigentlich Gott vor? Trey Ratcliff via Compfight Ich habe versucht euch das im Unterricht so zu verdeutlichen: Gott stellt sich uns vor, indem er uns Jesus zur Seite stellt. Weil man sich unter Gott prinzipiell alles oder auch nichts vorstellen kann, hat Gott zunächst beschlossen sich einem kleinen Volk zu zeigen, nämlich dem Volk Israel, als Gott Israels, dem er dann durch Mose die 10 Gebote als Glaubensrichtschnur mit auf den Weg gibt. Allen Menschen hat Gott sich nun mitgeteilt, …

Schleiermacher über Vulkane

„Alle Räder stehen still, wenn der starke Arm es will“. Im aktuellen Fall ist der starke Arm ein isländischer Vulkan und wir müssen als moderne Gesellschaft feststellen, wie abhängig wir von Naturgewalten sind. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, das gilt im Moment nur für eine Flughöhe über elft tausend Metern. Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl liegen offenbar sehr dicht beieinander. Das reizt den Theologen natürlich und ruft fast unweigerlich nach der Lektüre des großen Friedrich Schleiermacher. (Eine ganz kurze Einführung in Schleiermachers Denken -aus fundamental barthianischer Sicht- gibt Theoblog (link zum PDF-File). In Schleiermachers §4 der Glaubenslehre heißt es: Denken wir uns nun Abhängigkeitsgefühl und Freiheitsgefühl in dem Sinne als eines, daß nicht nur Subjekt, sondern auch das mitgesetzte Andere in beiden dasselbige ist: so ist dann das aus beiden zusammengesetzte Gesamtselbstbewußtsein das der Wechselwirkung des Subjektes mit dem mitgesetzten Anderen. (…) Demnach ist unser Selbstbewußtsein als Bewußtsein unseres Seins in der Welt oder unseres Zusammenseins mit der Welt, eine Reihe von geteiltem Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl; … Wir mögen unsere Verhältnisse zur Natur …

Pilgern im Pott

Wer nicht  aus dem Ruhrgebiet kommt,  dürfte mit „Pott“ eher eine große Tasse Kaffe als das Gebiet zwischen Dinslaken und Dortmund  assoziieren. Und wer das mit „Pilgern“ in Verbindung  bringt,  muss wohl eine besondere Art von Kreuzweg meinen. Dachte ich zunächst auch, obwohl ich die Hälfte meines Lebens in der Kulturhauptstadt 2010 (Essen) verbracht habe. Aber es stimmt tatsächlich, anlässlich des besonderen Focus gibt es einen (evangelischen) Pilgerweg durch das Ruhrgebiet, entlang der Emscher, von der Mündung (Dinslaken) bis zur Quelle (Holzwickede). von West nach Ost, der aufgehenden Sonne, dem Licht, der Orientierung entgegen. wie es auf der Homepage pilgern-im-pott.de heißt. Auch der Pilgerpass darf nicht fehlen. Nur von Hape Kerkeling ist nichts zu lesen… Weitere evangelische Veranstaltungen rund um die Kulturhauptstadtmetropole 2010 findet man unter evangelisch2010.de Wer nach einer Alternative zum katholischen Rosenekranz nachzudenken beginnt, sollte folgenden Artikel bei zwoelff.de lesen…