Meist geklickt, Predigt

Keine weichgespülte Nächstenliebe. Philipper 2,5-11

Die römischen Kaiser prägten das Bild selbst, das sich die Welt von ihnen machen sollte: Auf den Münzen, die sie schlagen ließen, sehen sie daher so aus, wie sie aussehen wollten –stark und machtvoll.
Kaiser Augustus zum Beispiel schaute auf seinen frisch geprägten Denaren … noch im Alter von siebzig so aus wie mit dreißig.
Die Münzbilder waren Propaganda. Sie brachten die richtige Botschaft unter das Volk: den ewig jungen Herrscher.“ * „Ihr kauft mit den Schneid nicht ab“, dass war die Botschaft, die unter das Volk sollte.
Heute gibt es diese Form der Münzenpropaganda nicht mehr.
Heute muss massenmediale Presse die Botschaft unter das Volk bringen. Aber nur die, die das Volk auch versteht und die, die es hören will.
Je massentauglicher je mehr Zustimmung:
daran hat sich seit römischer Zeit nichts geändert.

Die Christen damals waren nicht in der Lage dieser Art der Öffentlichkeitsarbeit etwas entsprechendes entgegenhalten zu können.
Dennoch hat sich das Christentum stetig ausgebreitet und das römische Reich ist verschwunden.
Münzen hatten die Christen nicht. Aber sie hatten Lieder. Lieder in denen sie gegen die vorherrschenden Götter ihrer Zeit ansangen.
Das war in der Tat so etwas wie Rock´n Roll. Nur das wir Christen das heute nicht gerne hören, weil uns das als zu aufsässig erscheint.

„Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:“ (Phil.2,5)

Dieser Satz scheint aktueller denn je, in einer Zeit in der Politiker Politik als Selbstverwirklichung betreiben können, abgehoben jeglicher Realität des Alttags der Menschen, die sie regieren.

-Ein Satz aktueller denn je in einer Zeit, in der jeder zuerst auf sich und seinen Nutzen sieht, weil es gilt Märkte zu erobern, erster zu sein, und Erfolg zu haben.
Vieles bleibt da auf der Strecke:
Zuerst die, die nicht erfolgreich sein können, weil sie nicht so begabt sind. Die, denen das Leben schlecht mitgespielt hat.
Und erst recht die, für die unsere Gesellschaft der Leistungsbereiten keinen Platz mehr zu haben meint.

„Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:“ sagt Paulus und seid es deshalb, weil Jesus Christus selbst folgendermaßen gehandelt hat: Philipper Hymnus Phil. 2. 6-11.
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

„Indem der menschengleiche Christus sich selbst arm macht und sich erniedrigt wird unser Blick nach unten gerichtet, nach unten hin zu den Menschen in Armut und Erniedrigung.
Von hieraus gibt es eine prinzipielle Parteiname der Christen für die Benachteiligten und Entwürdigten. Denn durch die Erniedrigung des Sohnes Gottes bekommen endlich auch die Armen ihre menschliche Würde unwiderruflich zurück. Sie dürfen nicht länger als Sache oder Ware angesehen und behandelt werden.
Die Botschaft, dass Jesus Christus der Herr ist, ist unerhört in einer Welt, in der man wie zu keiner Zeit zuvor vor dem Geld, vor wirtschaftlicher und politischer Macht und vor dem sichtbarem Erfolg in die Knie fällt.
Diese Kniefälle werden hier verworfen. Und es ist vor allen anderen die Kirche, der zugemutet wird, nicht in die Knie zu gehen vor den Gesetzen des Marktes, vor jenen „Herren der Welt“, die sich an die Stelle Gottes gesetzt haben und alle Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichen und politischen Gesetzen formen wollen.
Das letzte Wort, so ist der Christushymnus zu verstehen, haben sie nicht, denn die eigentliche Herrschaft hat schon jetzt der erhöhte Jesus.“
Er ist der einzige der von sich sagen kann:
Ihr kauft mir den Scheid nicht ab!
„Dieser scheinbar Ohnmächtige ist stärker als alles. Und selbst Gott wird dafür sorgen, dass das Bekenntnis zu ihm nicht verstummt.“

*(Heribert Prantl im SZ-Magazin Nr 10 vom 12. 3.2010)

(Der letzte Absatz in „–“ ist einer Predigt von Rolf Wischnath entnommen.)