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Kirchen gegen „Pro NRW“

Die evangelische Kirche im Rheinland (ekir) und die Evangelische Kirche von Westfalen haben eine Stellungnahme gegen die Gruppierung „Pro NRW“ veröffentlicht. Diese ist schon in einigen Gemeindeparlamenten in NRW vertreten und hat sich besonders in der Diskussion um den Kölner Moschee-Bau hervorgetan.
Die Stellungnahme lässt nichts an Deutlichkeit vermissen. Präses Nikolaus Schneider (ekir) und Präses Dr. Alfred Buß (EkvW) sind die Unterzeichnenden der Erklärung:

Liebe Schwestern, liebe Brüder in unseren Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, mit Sorge haben wir in den vergangenen Monaten wahrgenommen, dass eine kleine Gruppierung mit dem Namen ‚Pro NRW‘ versucht, politischen Einfluss zu gewinnen.
Diese Gruppierung schürt gezielt Vorurteile gegen den Islam, macht pauschal die Ausländer für die sozialen Probleme in Städten und Stadtteilen verantwortlich und versucht, sowohl die Integrationspolitik wie auch das kirchliche Engagement für einen
Dialog der Religionen als falsch und gefährlich darzustellen. Die Positionen dieser Gruppierung sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.
Die evangelische und die katholische Kirche haben sich in der Vergangenheit immer wieder zu einem respektvollen Umgang mit Fremden und einem gleichberechtigten Leben von Muslimen in unserer Gesellschaft bekannt. Dazu gehört auch das Recht,
Moscheen zu errichten. In diesem Zusammenhang ist ein Minarettverbot mit unserem Verständnis von Religionsfreiheit nicht vereinbar.
Durch Aktionen wie die jährliche ‚Interkulturelle Woche‘ oder das Projekt ‚Weißt du, wer ich bin?‘ engagieren wir uns für ein friedliches Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten, von Christen und Muslimen. Wir sind vor allem dankbar für die vielen
lokalen Projekte, in denen sich christliche Gemeinden und Moscheevereine gemeinsam für Verständigung und Dialog einsetzen und Verantwortung für den Stadtteil übernehmen. Der gemeinsame Einsatz für ein gelingendes Zusammenleben ist das beste Mittel im Kampf gegen Extremismus. Wie wichtig es ist, dass Gläubige unterschiedlicher Religionen friedlich zusammen leben und vor Diskriminierung und gewaltsamen Übergriffen geschützt werden, wird uns gerade in diesen Tagen deutlich, in denen die Gruppierung ‚Pro NRW‘ erneut versucht, eine Kampagne gegen unsere muslimischen Nachbarn zu starten. Die intendierte Vereinnahmung der Christen durch ‚Pro NRW‘, die in dem Motto „Abendland
in Christenhand“ zum Ausdruck kommt, weisen wir auf das Entschiedenste zurück.

Daher bitten wir Sie, die Gläubigen unserer Gemeinden, unsere Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Mitglieder der Presbyterien und Pfarrgemeinderäte, sich an den von unseren Kirchen vor Ort mitgetragenen Veranstaltungen für ein Zusammenleben mit
Muslimen und gegen die Aktionen von ‚Pro NRW‘ zu beteiligen und auch weiterhin den Kontakt zu den muslimischen Nachbarn zu suchen und für den gegenseitigen Abbau von Vorurteilen einzutreten.
Aus diesem Anlass erinnern wir an die vielfach geübte Gastfreundschaft, die bei den zahlreichen Einladungen etwa zum gemeinsamen Fastenbrechen zum Ausdruck kommt. Wir rufen Sie, die Gläubigen unserer Gemeinden und Mitglieder unserer
Kirchen, dazu auf, diese Gastfreundschaft zu pflegen. Wenn Ihre muslimischen Nachbarn Sie einladen, mit ihnen gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben der Religionen zu feiern, dann bitten wir Sie mitzufeiern.
Es ist gut ‚für NRW‘, wenn wir unsere Religionen mehr und mehr als Inspiration und Kraftquelle entdecken, die uns zum Engagement für das Wohl aller Menschen drängen.
Für die Evangelische Kirche von Westfalen
Präses Dr. Alfred Buß
Für die Evangelische Kirche im Rheinland
Präses Nikolaus Schneider

Der Text ist auch als PDF verfügbar.

Die Gegenreaktion von Pro NRW (durch den Vorsitzenden Markus Beisicht) spricht dann auch für sich.