Monate: Februar 2010

Kanzelabkündigung zum Käßmann Rücktritt

In der Hannoverschen Landeskirche wird am heutigen Sonntag (Reminiscere, „Gedenket“) folgende Kanzelabkündigung verlesen. Das klingt fast wie nach „Nachruf“ und zeigt, welche Hoffnungen auf ihrem Ratsvorsitz lagen. Je unübersichtlicher und bedrohlicher die Zeiten, desto höher die Erwartungen an die Amtsträger. Beachten wir nur, was aus den „messianischen“ Erwartungen an den amerikanischen Präsidenten Obama geworden ist… Die Abkündigung im Wortlaut: „Am vergangenen Mittwoch ist Dr. Margot Käßmann von ihrem Amt als Landesbischöfin und als Vorsitzende des Rates der EKD zurückgetreten. In ihrer Erklärung räumte sie ein,

Nikolaus Schneider wettert gegen Westerwelle

Ein ganz passables Interview von Nikolaus Schneider in seiner Funktion als stellvertretender Ratssvorsitzender der EKD. Am Ende wird er sogar richtig gut, als er gegen Westerwelle und die Dekadenz-Debatte Stellung bezieht. Wörtlich:  „Da fällt einem ja nun gar nichts mehr zu ein!“  Erst recht nicht, wenn Westerwelle in der heutigen Bundestagsdebatte „Öl ind Feuer“ gießt. Der Außenminister sollte wegen seiner gesellschafts spaltenden Haltung zurücktreten. Aber es sieht sowieso so aus, als würde Angela Merkel von langer Hand was planen… Recht hat er, der Präses!

Ein schlechter Tag für den Protestantismus

Nun ist sie weg, die erste Ratsvorsitzende, die wir hatten. Das ist ein herber Verlust. Sie war die beste Besetzung, die die Evangelische Kirche je hatte! Aber die Entscheidung passt zu ihr. Andere hätten versucht im Amt zu bleiben. In einem Jahr hätte keiner mehr darüber gesprochen, wenn Sie ein Mann wäre. Wie ein anderer Bischof, der auch schon einmal seinen Führerschein aus dem gleichen Grund abgeben musste und nun die sueddeutsche Zeitung wegen übler Nachrede zu einer Gegendarstellung bewegen will. Selbst in ihren kurzen Worten  der Pressekonferenz vermag sie schlüssig und einsehbar zu machen, warum sie nun nicht „weiter so“ machen kann. Wirklich bedauerlich ist aber, dass nun der „höchste Repräsentant der zweitgrößten evangelischen Landeskirche“, wie er sich in Pressemitteilungen seiner rheinischen Landeskirche nennen lässt, offenbar ihr Nachfolge antritt. Damit weichen nachdenkliche und intelligente, weibliche Sätze den hemdsärmeligen und aktionistischen Macho-Sprüchen eines unbekannten Nikolaus Schneider. Ein schlechter Tag für den deutschen Protestantismus. Die Erklärung im Wortlaut: Hannover (ots) – Es gilt das gesprochene Wort! Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den …

Die menschliche Bischöfin

Die Menschlichkeit der Ratsvorsitzenden Bischöfin Margot Käßmann wird immer wieder gelobt und herausgestellt. Ihre gescheiterte Ehe war (ist) allerdings vielen ein Dorn im Auge. Und nun ist sie (ganz menschlich) betrunken am Steuer ihres Autos erwischt worden, wie sie über eine rote Ampel fährt. Das wird für manchen nun wieder Wasser auf die argumentativen Mühlen geben. Das erste Schmähforum hat in der „Welt“ hat längst geöffnet. Ich wünsche ihr viel Standfestigkeit in den kommenden Anfeindungen die da kommen werden. Diejenigen, die sich nicht um ihre Afghanistan-Äußerungen gekümmert haben, werden ihr diesen menschlichen Zug ganz gewiss nachsehen.

Facebook, Freundschaft und Römerbrief Kapitel 7

Der amerikanische Kulturkritiker Deresiewicz in einem Gespräch über Freundschaft und Einsamkeit im Online-Zeitalter schreibt folgendes: „SZ:Wie konstruiert der Mensch zwischen Vernetzung und Einsamkeit seine Identität? Deresiewicz: Es gibt eine Lücke zwischen dem, was wir sind, und dem was wir darstellen. Oft ist es doch so: Je mehr Spaß Menschen an ihren Facebook-Statusnachrichten zu haben scheinen, umso weniger Spaß haben sie in ihrem echten Leben. Das kann dazu führen, dass wir uns zu Avataren unserer Selbst verwandeln: Plötzlich merke ich, dass mein digitales Ich auf Facebook ein aufregenderes Leben hat als ich selbst.“ Das erinnert mich an die paulinische Rede vom inneren und äußeren Menschen im Römerbrief Kapitel 7, 7-25: Die dortige anthropologische  Differenz zwischem inneren und äußeren Menschen ist zwar (kontextbedingt) das „Gesetz“ (das Paradiesgebot; nicht die Tora!), gleichwohl besteht eine Parallele in der sog. „Lücke“ zwischen „Etwas“, das soetwas wie „Identiät“ ermöglicht oder sogar erst (in der Interaktion zwischen beiden?) herstellt. Ich habe mich zwar schon mehrere Wochen mit dem Text befasst, er reizt mich aber immer wieder, ist er doch wahrscheinlich der dichteste …