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Präsesbericht auf der Landessynode der ekir 2010

Nachdem ich im letzten Jahr den Bericht des Präses der rheinischen Landessynode ziemlich scharf kritisiert habe, muss ich dieses Jahr nicht zu so harten Worten greifen.

Vielmehr möchte ich einige Stellen zitieren, die mir positiv aufgefallen sind. Die Gliederung ist eher traditionell kirchlichen Attributen verhaftet, aber das erwarten die Synodalen vielleicht inzwischen.  Obwohl manche von Peter Beier sicher etwas anderes gewohnt waren. Wie dem auch sei, den Auftakt macht die Jahreslosung:

Euer Herz „erschrecke sich nicht zu Tode“. Haltet euer Denken und Fühlen offen für Gottes Leben schenkende Schöpfermacht!

Christlicher Glaube verschweigt und beschönigt nicht all die Schrecken unseres Lebens und unserer Welt, die uns immer wieder Anlass und Grund geben für die Erschütterung unserer Herzen. Christlicher Glaube bewahrt uns nicht vor eigenem Leiden und stumpft uns nicht ab gegenüber dem Leiden anderer. Christenmenschen entwickeln kraft ihres Glaubens kein „dickes Fell“ und kein „steinernes Herz“.

Der Auseinandersetzung um „Notwendige Abschiede“ von Klaus Peter Jörns werden folgendermaßen aufgegriffen:

Kreuzestheologie, also das Nachdenken und Reden über die Bedeutung von Tod und Auferstehung Jesu für aller Menschen Leben und Sterben, ist unverzichtbar für unseren persönlichen Glauben und für das Zeugnis unserer Kirche.

Schwierigkeiten bereitet vielen Menschen die Frage, ob „Jesu Blut für unsere Sünden“ um Gottes Willen fließen musste. Diese Frage kann nicht unter der Überschrift „notwendige Abschiede“ diskutiert werden. Wie bei allen theologischen Fragen und Auseinandersetzungen haben wir uns als Christenmenschen und als Kirche dem uns in der Heiligen Schrift bezeugten Wort Gottes zu stellen. Das gilt auch für jene Worte, die unserer Vernunftgegen den Strich“ gehen. Die Frage „Was ist dem Verstand eines aufgeklärten und modernen Menschen zumutbar?“ darf nicht das entscheidende Wahrheitskriterium für biblische Deutungen des Kreuzestodes Jesu sein. Denn sonst würden wir uns und die Weltanschauungen unserer Zeit zu dem entscheidenden Maßstab für biblische Texte machen. So wenig die Vernunft und unser Weltverständnis bei unserem Glauben außen vor bleiben dürfen, so wenig dürfen sie zum alleinigen Maßstab für Glaubenswahrheiten erhoben werden.

Wir binden unseren Gottesglauben an den lebendigen Gott und an den geschichtlichen Menschen Jesus von Nazareth. Unser Glaube beruht nicht auf abstrakten Prinzipien und nicht auf widerspruchsfreien Theorien. Eine kritische Theologie weiß immer auch um die eigenen Erkenntnisgrenzen und um die Unvermeidbarkeit logischer Brüche.

Bei allem Forschen und Denken bleibt es – auch für Theologinnen und Theologen – logisch nicht begreifbar und nicht begründbar, warum Gott seine Schöpfung und vor allem: warum er uns Menschen liebt.

Bei den sehr umstrittenen Äußerungen der Ratsvorsitzenden Käßmann zum Afghanistan Einsatz der Bundeswehr, bliebt der Tonfall doch recht zahm. Hätte er von der Unterstützung Käßmanns durch den Bundespräsidenten gewusst, wären vielleicht andere Worte gefallen.

So wenig ein Abzug deutscher Soldatinnen und Soldaten aus AfghanistanHals über Kopf’ zu verantworten ist, so dringend muss gemeinsam mit Repräsentanten der afghanischen Bevölkerung ein realistisches Ausstiegsszenario erarbeitet werden. Und nicht nur im Parlament, sondern auch in der ganzen Gesellschaft ist der Diskurs über die Rolle der Bundeswehr im In-und Ausland offen und ehrlich zu führen.

Ein weiteres Anliegen in diesem Zusammenhang zu formulieren sei mir erlaubt: Wenn der deutsche Bundestag auf der Basis des Parlamentsbeteiligungsgesetzes den Auslandseinsatz der Bundeswehr mandatiert, dann sollte in Zukunft über die gesetzlichen Notwendigkeiten hinausgegangen werden. In dem Beschluss des Bundestages sollte es eine militärische Mandatierung für die Bundeswehr und eine „zivile Mandatierung“ für deutsche Nichtregierungsorganisationen geben. Beides sollte klar beschrieben und gegeneinander abgegrenzt, auch die damit verbundenen Kosten sollten ausgewiesen werden. Das Missverhältnis zwischen den Summen, die für den militärischen und die für den zivilen Einsatz aufgebracht werden, sollte wenigstens deutlich werden.

Was über das neue Auswahlverfahren in bezug auf den Pfarrdienst zu lesen ist, ist aus meiner Sicht vollkommen indiskutabel, allerdings wird das die meisten Leser wohl ehrer langweilen, und nur andere „Pfaffen“ interessieren. Die mögen dann doch einen Kommentar schreiben, wenn sie mehr darüber wissen wollen…

Erfreulich auch die Wandlung hin zu Themen der Frömmigkeit, die gerade in seinem letzten Bericht viel zu kurz kamen.

Theologische Grundbildung heißt auch, Ausdrucksformen der Frömmigkeit zu vermitteln und zu erproben. Beispielhaft sei hier das Beten genannt. Beten dient der Stärkung unseres Glaubens und unserer Lebenskräfte. Lautes oder leises Sprechen mit Gott vergewissert uns der Gegenwart Gottes und schenkt uns ermutigende Selbstvergewisserung. Beten eröffnet einen größeren Gesprächszusammenhang, der aus Kleinmut und dem Rückzug auf eigene Befindlichkeiten herausführt.

Die Folgen der Finanzkrise werden doch eher dürftig gestreift:

Auf die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise haben wir hingewiesen und dabei besonders das Schicksal der Zeit- und Leiharbeiter ins Auge gefasst, die als erste gekündigt werden. Es ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn dieser Personenkreis wie eine Verfügungsmasse behandelt wird. Dass wir nicht die Hoffnung aufgeben, dass die Krise im Geist der sozialen Marktwirtschaft überwunden wird, haben wir genauso erwähnt wie das Programm „JobPerspektive“, das besonders auf Langzeitarbeitslose zugeschnitten ist.

Uneingeschränkt begrüßenswert sind die deutlichen Wote zum Bau von Moscheen:

Ich trete deshalb allen Initiativen für eine europäische „Anti-Minarett-Kampagne“ mit Nachdruck entgegen. Die fremdenfeindliche VereinigungPro NRW“ will bis zur Landtagswahl am 9. Mai 2010 eine politische Strategie entwickeln, um den Neubau muslimischer Gebetshäuser in NRW zu verhindern. Diesen Bestrebungen müssen wir aus theologischen und politischen Gründen widerstehen. Die Diskriminierung oder sogar Verfolgung unserer Glaubensgeschwister und das Verbot von Kirchenbauten in islamischen Ländern müssen wir deutlich beklagen und auf Veränderung drängen. Gerade muslimische Gläubige und Verbände in unserem Land sind gefordert, für Religionsfreiheit in ihren Heimatländern nach den Maßstäben einzutreten, die sie in der Bundesrepublik Deutschland für sich in Anspruch nehmen.

Warum die Kirchen ein eigenes Arbeitsrecht haben müssen ist mir nicht ganz klar. Nur weil etwas „verfassungsmässig garantiert“ ist, darf es doch hinterfragt werden. Da verstehe ich doch eher die Position der Gewerkschaften. Aber vielleicht hat es mir bislang nur kein Kirchenvertrter richtig erklärt…

Wir erleben zum Beispiel unerfreuliche Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft Verdi. Verdi weigert sich, an der Arbeitsrechtsetzung unserer Kirche mitzuarbeiten und bestreitet das verfassungsmäßige Recht der Kirchen, ihre Angelegenheiten – also auch ihr Arbeitsrecht – in eigener Verantwortung zu regeln.

Den vollständigen Bericht könnt ihr (wie immer gut versteckt unter der typisch-eigenwilligen Seitennavigation) unter ekir.de nachlesen.