Predigt

Let´s make money? (Predigt über Matthäus 6)

Sonntagsfragen sind manchmal eine Zumutung. Besonders, wann der Wahlabend naht. Was als Analyse, Fakten, Hintergründe präsentiert wird, ist es nicht wert gehört oder gesehen zu werden. Die politische Auseinandersetzung weicht dem Kampf der Medienprofis. Und die Demoskopen beanspruchen die Deutungshoheit über Sympathiewerte der Kandidaten. „Wie jemand rüberkommt“ ist inzwischen wichtiger als was er zu sagen hat. Und versuchen Politiker sich mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen, wird große Langeweile ausgerufen.

Da hilft nur noch eins: Abschalten!

Zumindest den Fernseher.

Ich gebe zu, auch beim Wort zum Sonntag hilft manchmal nur noch abschalten, aber das alles hat vermutlich mit einer Skepsis und auch dem eigenen Unvermögen zu tun die Welt nicht in 1Minute 30 erklären zu können. Und dann kommt auch noch ein Predigttext für den heutigen Sonntag daher, den man nicht ausschalten, bei dem man aber die Bibel gleich wieder zu machen will, weil man sich sagt: Das kann es wirklich nicht sein!

Jesus sagt:

Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? 27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. 33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Sorgt euch nicht!

Ich soll mir keine Sorgen machen, wenn mein Kind in der Schule ist und da irgendwer mit Äxten durchläuft und um sich metzelt?

Wir sollen uns keine Sorgen machen, wenn ein Mensch auf einem Bahnhof zu Tode getreten wird, nur weil er Minderjährige beschützen wollte?

In einer Welt, in der an manchen Orten ein Menschenleben nichts, aber auch gar nichts zählt, sollen wir uns nicht sorgen?

Ein Jahr ist es her, dass wir Nachhilfeunterricht darin bekommen haben, wie es aussieht, wenn Banken sich nur um den heutigen Tag, und nicht um das Morgen kümmern.

Das soll und wirklich nicht beunruhigen? Ist das nicht zuviel verlangt, ist das nicht vollkommen überzogen?

So kann gewiss gefragt werden, und man hätte sich auf verständlich Art und Weise des Textes und auch des Anspruchs entledigt. Doch ist das hilfreich? Hilft uns das in unserer Wut und Ohnmacht? Hilft uns das zum Weiterleben? Bleiben wir ungetröstet, oder wo suchen wir unseren Trost? Vielleicht habe ich ja zu schnell die Bibel zugeschlagen. Vielleicht ist meine Wut größer als meine Sehnsucht getröstet zu werden. Vielleicht sollte ich noch einmal zuhören ohne Vorurteil und ohne Wut im Bauch.

Denn dann kann ich hoffentlich etwas anderes mitnehmen:

Z.B. dass Jesus mich auffordert zu Vergessen.

Nicht um zu verdrängen, sondern um Klarheit dafür zu gewinnen was wichtig und was unwichtig ist. Vergesst es, sagt er, vergesst all das, wofür ihr so hart arbeitet und worauf ihr euer Leben verwendet. Das alles ist unwichtig. Etwas anderes ist wichtig für’s Leben. Und dann rückt er heraus mit diesem anderen: Trachtet vor allem nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann kommt alles andere von selbst. Vielleicht liegt da die Chance, vielleicht dort der Fluchtpunkt, der Orientierung aus der Spirale des Sorgen und der Angst zu entkommen.

Reich Gottes sagt Jesus.

Und er meint damit ein neues Verhältnis zum Leben.

Eine innere Revolution im Verhältnis zu mir selbst, im Verhältnis zu meinen Mitmenschen und zu meiner Gesellschaft. Die Evangelien verwenden dafür oft die Bezeichnung Wiedergeburt. Eine Wiedergeburt zu einem neuen Leben, wo die Schlüsselworte Freiheit und Liebe sind. Und vielleicht in erster Linie die Fähigkeit und der Mut, man selbst zu sein.

-Wo man sich zumindest vorstellen kann völlig glücklich zu leben ohne irgendetwas kaufen zu müssen.

-Wo man sich zumindest vorstellen kann, nicht ununterbrochen daran denken, etwas zu leisten, sondern daran denken, zu genießen.

-Wo man nicht nach allem Möglichen strebt, nicht nach Status, Reichtum, Macht und Einfluss, sondern nach menschlichem Zusammensein.

Reich Gottes sagt Jesus und meint damit den Fluchtpunkt unserer Orientierung, die uns zu Christen in seiner Nachfolge macht. Die uns nicht aufhören lässt uns Sorgen um unsere Kinder und den Zustand unseres Globus zu machen. Die unser Sorgen aber in das rechte Licht setzt: Nicht die Dinge die man kaufen kann groß zu machen und Besitz unser Leben bestimmen zu lassen. Sondern uns dem zuwenden, was man nicht verbrauchen kann, was sich selbst nicht verbraucht, sondern verschenkt; sich uns schenkt, damit wir daraus Lebensmut und Hoffnung finden.

Daher ist Jesus Aufforderung auch keineswegs eine Anweisung zu einem Müßiggang oder gar zur sorgloser Naivität. Jesus Aufforderung will uns allerdings die Augen öffnen für unser Verlangen nach Substanz in unserem furchtsamen Leben.

Seht euch die Gegenwart und die Zukunft unter der Verheißung von Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit an, dann werdet ihr neue Maßstäbe für euer Leben finden.

Neue Maßstäbe auch für euer Verhältnis zum Geld. Geld ist um des Menschen willen da und kein Selbstzweck. Wo das Geld um seiner selbst willen das ist, wird das Wirtschaften unmenschlich. Das gilt vor allem für das „schnelle“ Geld, das hohe Rendite verspricht und dafür hohe Risiken eingeht.

Ihr werdet neu Maßstäbe finden auch in euerm Verhältnis zum Wachstum eurer Wirtschaft. Ihr müsst darüber Nachdenken, wohin euch das führt und was es mit euch macht.