Monate: Februar 2009

Neues altes System

Was sich in der Überschrift der Süddeutschen Zeitung, die sich auf den Spiegel beruft, zunächst anhört wie eine Ankündigung zur Überwindung der Krise des Kapitalismus, entpuppt sich dann doch als ein „Nachrichtlein“ bezüglich der Umstrukturierung in der Führungsetage des Deutschen Bank. Wiedereinmal ein kleiner Beweis die Krise des kapitalistischen Systems kleinzureden als sogenannte Finanzkrise: „Krisen kommen, Krisen gehen, spätestens 2010 ist heile heile Gänschen, alles wieder gut. Das alles waren doch nur böse Banker Buben, die den Hals nicht voll kriegen konnten. Keiner hat ihnen schließlich Geld gegeben, niemand Aktien gekauft, „blue chips“ war ein Fremdwort und der Dax ein schwarz-weiss-gestreiftes Tier. Wir haben von nichts gewusst! Keiner hat die Volksaktie der Telekom gekauft und niemand ist bei der (Bank!) Allianz versichert.“ Partielle teutonische Amnesie: Die da oben waren es! Wenn die gegenwärtige Krise des Kapitalismus mit ihren Einschnitten vergleichbar ist dem Mauerfall von 1989 (wie der ehemalige Außenminister Fischer meint) müsste doch statt der „Heile Gänschen-Rhetorik“ das Hohelied des Paradigmenwechsels gesungen werden. Die Kirchen könnten es beginnen zu singen. Seit 1975 versuchen sie ein …

Ein antiker 1EURO Job? (Predigt über Matthäus 20)

Worum geht es, ist immer dann zu fragen, wenn Jesus ein Gleichnis erzählt. Und wenn Jesus ein Gleichnis erzählt, dann geht es fast immer, um das Reich Gottes. Worum geht es also, wenn es um das Reich Gottes geht? Geht es um Gerechtigkeit? Geht es um Gottes Gerechtigkeit, wie wir evangelische gerne immer sagen, aber meistens nicht verstanden werden? Geht es bei diesem Gleichnis vielleicht um „Gerechtigkeit oder Güte“, oder etwa um „Gerechtigkeit und Güte“, oder sogar um „Gerechtigkeit Güte“? Oder geht es um noch andere Sachen, um antike „Ein EURO Jobs“ zum Beispiel, oder wie man als Unternehmer seinen Betrieb am besten in ein Insolvenzverfahren bekommt. Wenn man z.B. miserabel wirtschaftet, weil man gegen alle Regeln der Betriebswirtschaft verstoßen hat? Sie ahnen es kommt wie so oft ein theologisch brilliantes sowohl-als-auch heraus: Das ist natürlich keine Anweisung, wie man einen Betrieb führen oder gar die Wirtschaftspolitik lenken kann. Mt.20,1-15: 1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte …

Bad Bank and Bad Pope

Was sich die einen für den Finanzsektor wünschen, nämlich eine “Sünderbank“, die alle faulen Kredite aufkauft, das ist nun für alle Gegener der Kirchen geschaffen worden! Der “bad Pope“! Der “schlechte Papst“ zieht nun allen Zorn auf sich (vergessen ist das “Wir sind Papst“) und deshalb werden nun alle Christen als reaktionäre,  undemokratische und antiaufklärerische, gestrige eingestuft. Wenn “die Kirche“ im Kreuzfeuer steht gibt es keine Konfessionen mehr, dann ist die katholische Wunschvorstellung von Ökumene schon längst Wirklichkeit. Es existiert nur noch die eine “römische“ Kirche! So fügt der Papst nicht nur der eigenen Kirche schweren Schaden zu, sondern zugleich allen anderen Kirchen, die oft genug als in seinem Schatten Segelnde wahrgenommen werden. Anders als die “Bad Bank“, die die anderen Finanzinstitute “rein“ waschen soll, tritt hier das genaue Gegenteil ein: “Das Christentum“ wird als eine Religion wahrgenommen, die nicht mehr in die Zeit passt, weil sich ihre Themen (Priorisierung der “Einheit der Kirche“ – vor – Vertretbarkeit mit rechtsstaatlichen Grundsätzen) nicht mehr mit der Gegenwart synchronisieren lassen. Der Glaubwürdigkeitsverlust des “Stellvertreters Christi“ trifft so …