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Landessynode der EKiR 2009. Eine Begleitung/1/Präsesbericht

Wie fast immer beim Lesen der  ekir Pressemitteilung stößt es in mir sauer auf: Was will ich mit der Information, dass der Präses vor „30 Journalisten“ (hört, hört!!) einen vollkommen missverständlichen Satz sagt:

Das Totale gehört alleine Gott. Wirtschaft und Politik sind da begrenzte Bereiche.“

Das ganze sei eine Absage an Totalitarismus. So ist es hoffentlich gemeint, hat aber leider den -hoffentlich auch unerwünschten- Nebeneffekt theologisch vollkommen aus dem Rahmen der Gotteslehre zu fallen. Gott „gehört“ nicht das Totale, sonst wäre es zu seinen Akzidenzien zu rechnen. Da das trinitarische Gottesverständnis aber ernst macht mit der Feststellung, dass Gott „in Beziehung“ „ist“, steht ihm das „Totale“ sogar mehr als fern. Richtig betont steht es ihm sogar entgegen! Das trinitarisch- relationale Gottesverständnis korrigiert so alle Gottesvorstellungen, die ihn als Entität erscheinen lassen könnten.

Weiter geht´s dann im Bericht:

„Ich maße mir nicht an, für jeden Mann und jede Frau gültige Antworten für das Gelingen ihres Lebens zu geben. Eine Entscheidung darüber, inwieweit und worin ihr persönliches Leben als „gelungen“ zu bewerten ist, steht subjektiv nur den Einzelnen und objektiv allein Gott zu.“

Ist Gott objektiv? Ist er leidenschaftslos? Ist er total? Oder hat er eine Option für die Schwachen und Kleinen? Und ist es nicht gerade „Evangelium“, dass er „LEBEN“ nicht „be-wertet“?

Und weiter:

„Sinnvolles und gelingendes Leben fällt uns Menschen nicht in den Schoß. Bewusstes Suchen, Fragen und Handeln ist gefordert.“

Ich dachte eigentlich immer, dass sei evangelisches freies Geschenk Gottes, dass er sinnvolles Leben schenken würde. Und mit der „Rechtfertigung des Gottlosen“ verhalte es sich genauso. Jetzt lese ich hier etwas von einer cooperatio? Und das in soteriologischem Zusammenhang? Oder ist das ganze gar nicht soteriologisch zu verstehen?

Nach soviel Kritik dann doch mal uneingeschränkte Zustimmung, besonders für die treffsichere Formulierung:

„Armut darf nicht als Versagen oder quasi naturgegebene Eigenschaft von Einzelnen eingestuft werden! In der Regel handelt es sich dabei um strukturelle Probleme, die sich insbesondere in bestimmten Milieus verfestigen.“

Allerdings gibt es dann, weiter unten im Bericht, wiedereinmal eins: laute rheinische Rhetorik!

„Die Gesellschaft hat einen Anspruch darauf, dass wir uns für gelingendes Leben inhaltlich positionieren und die Stimme des Evangeliums durch unsere Beiträge in den öffentlichen Debatten laut werden lassen.“

Wie kann man sich denn für „gelingendes Leben inhaltlich positionieren“? Im besten Fall ist das nur eine unschöne Formulierung. Schlimmer ist jedoch der Verdacht, dass damit doch gemeint ist, die Kirche hätte Rezepte für gelingendes Leben und müsse vor allem eins tun, diese laut werden lassen. Der Rezept Gedanke verstärkt sich, wenn es im Folgenden heisst, die Stimme des Evangeliums müsse „durch unsere Beiträge … laut werden“. Unsere Beiträge verfügen also gewissermaßen über so etwas wie Evangelium, das für sich genommen zu leise ist und uns (als rheinische Kirche) braucht um wahrgenommen zu werden.

Zur theologischen Schlussbemerkung über den reichen Jüngling ließe sich wirklich sehr viel sagen. In aller Kürze nur drei (freche) Bemerkungen:

1. Gott, der Ewige (=Totale?).

2. Zum ewigen Leben „gehören“ ist m.W. nicht biblisch bezeugt.

3. Zu real,- gehe ich nur einkaufen.

hier die Schlusssätze aus dem Bericht:

„Das ist das Entscheidende:
Wenn ihr euer Leben an Gott bindet, wenn ihr als meine Nachfolger und Nachfolgerinnen lebt, dann wird Gott, der Ewige, euch auch in eurem Leiden und Sterben nicht verlassen, dann gehört ihr schon jetzt zum ewigen Leben.
Das ewige Gottesreich hat durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus schon real in unserer vergänglichen Menschenwelt begonnen.“

Den vollständigen Bericht könnt ihr unter ekir.de nachlesen.