Monate: Januar 2009

Der gekreuzigte Frosch

Wenn man richtig provozieren will muss das Kreuz als christliches Symbol herhalten. Neuerdings macht ein gekreuzigter Frosch von sich reden. Der kann sich rühmen, dass auch Madonna in die heftige Kritik geraten ist, als sie sich 2006 in ihrer „Confessions“ Show als Gekreuzigte inszenierte. Ich kann die Aufregung nicht verstehen. Viel schlimmer wäre es, wenn das Kreuz nicht mehr von der Kunst als Zeichen (Signum, Symbol, Index) benutzt würde. Gerade der Gebrauch (Praxis) zeigt, dass „es“ (noch!) funktioniert. Darüber sollte „die Kirche“ sich eigentlich (noch) freuen. Dass diese Freude vielleicht nicht mehr lange Bestand hat ist am europäischen Rechtshimmel abzusehen. Jan Pehrke hat dazu einen gut recherchierten Artikel geschrieben. Allerdings bleibt zu bedenken, ob das „abhängen“ von Kreuzen wirklich weiterführt. Viel interessanter ist doch die Frage, was stattdessen „aufgehängt“ werden soll. Eine Deutschland-Flagge z.B. wäre ebenso mißverständlich wie ein Kreuz. Welcher Bezugsrahmen in einer modernen, freien, demokratischen und multi-religiösen gilt, ist vielleicht noch auszumachen. Womit/Wodurch er sich aber „abbilden“ oder „symbolisieren“ lässt, ist fraglich. Nur eins ist sicher: Ohne Symbole wird es nicht gehen.

Hat Isidor seine Finger im Spiel?

Isidor ist der Schutzpatron aller Internetsurfer. Man lernt als „Evangele“ ja nie aus, mit den Heiligen… Hat der Heilige Isidor beim neusten Auftritt des Vatikan etwas mitzureden gehabt? Da überspringt die katholische Kirche einen gewaltigen Schritt. War das Web-Seitenangebot eher dürftig, gibt´s seit heute einen eigenen Kanal bei YouTube! Dagegen sieht die Weihnachtsbotschaft des „höchsten Repräsentanten der zweitgrößten evangelischen Landeskirche“ -schon allein technisch gesehen- alt aus.

Lukas Podolski und Lukas 15,11-32

Die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn ist wohl eine der bekanntesten. Davon zeugen zumindest die Überschriften in den großen Zeitungen. Der verlorene Sohn Podolski kehrt von München nach Köln zurück. Offenbar tut allen Beteiligten der Wechsel gut. Bleibt zu fragen, ob es gerechtfertigt ist, die biblische Parallele zu ziehen? Erinnern wir uns: Jesus erzählt: Ein Sohn will sich sein Erbe von seinem Vater auszahlen lassen und beschliesst loszuziehen und es sich gut gehen zu lassen. Als er alles verloren hat und ganz unten, bei den Schweinen, als Hirte sich verdingen muss, sieht er nur noch einen Ausweg: nach Hause zurüchzukehren. Der Vater freut sich über die Maßen, gibt ein grosses Fest und setzt seinen Sohn sogar wieder als Erben ein. Es reizt natürlich die Parallele mit den (Bayern-)Schweinen, auch wenn Poldi nicht nach Düsseldorf, sondern Köln zurückgeht. Aber ist das mit den Schlagzeilen wohl kaum gemeint. Offenbar steht das Bild des verlorenen Sohnes für jemanden, der, nach einem Aufenthalt in der Fremde, gut zu Hause aufgenommen wird. Damit ist die Aussage der Geschichte (oder für …

Kurt Tucholsky über Kriegsberichterstattung

Die Dänen sind geiziger als die Italiener.    Alle Letten stehlen.  Alle Bulgaren riechen schlecht.  Rumänen sind tapferer als Franzosen.  Russen unterschlagen Geld. – Das ist alles nicht wahr,  wird aber im nächsten Kriege  gedruckt zu lesen sein. Kurt Tucholsky, Die Dänen sind geiziger als die Italiener

Landessynode der EKiR 2009. Eine Begleitung/1/Präsesbericht

Wie fast immer beim Lesen der  ekir Pressemitteilung stößt es in mir sauer auf: Was will ich mit der Information, dass der Präses vor „30 Journalisten“ (hört, hört!!) einen vollkommen missverständlichen Satz sagt: „Das Totale gehört alleine Gott. Wirtschaft und Politik sind da begrenzte Bereiche.“ Das ganze sei eine Absage an Totalitarismus. So ist es hoffentlich gemeint, hat aber leider den -hoffentlich auch unerwünschten- Nebeneffekt theologisch vollkommen aus dem Rahmen der Gotteslehre zu fallen. Gott „gehört“ nicht das Totale, sonst wäre es zu seinen Akzidenzien zu rechnen. Da das trinitarische Gottesverständnis aber ernst macht mit der Feststellung, dass Gott „in Beziehung“ „ist“, steht ihm das „Totale“ sogar mehr als fern. Richtig betont steht es ihm sogar entgegen! Das trinitarisch- relationale Gottesverständnis korrigiert so alle Gottesvorstellungen, die ihn als Entität erscheinen lassen könnten. Weiter geht´s dann im Bericht: „Ich maße mir nicht an, für jeden Mann und jede Frau gültige Antworten für das Gelingen ihres Lebens zu geben. Eine Entscheidung darüber, inwieweit und worin ihr persönliches Leben als „gelungen“ zu bewerten ist, steht subjektiv nur den Einzelnen …

Anne Will und Sünde als “Konzept“

Heute war die aktive Sterbehilfe Thema in der Sendung. Gäste waren u.a. Bischof Mixa, Frau Göhring-Eckhard , Oswald Kolle und Roger Kusch. Das versprach eine interessante Debatte. Das erste Wort hatte der katholische Bischof, der in üblich klausulierten Formulierungen und Distinktionen über die Nicht-Möglichkeit des Suizides fabulierte und dabei auch auf “Sünde“ zu sprechen kam. Das allerdings kam bei der Moderatorin inhaltlich überhaupt nicht an, was sie damit zu kaschieren versuchte, dass sie z.B. Oskar Kolle fragte: “Überzeugt sie so ein Konzept von Sünde?“ Das war natürlich eine Steilvorlage. Das bemerkenswerte dabei ist das offenbare Unvermögen kirchlichen Sprechens in die doch immerhin geduldig lauschende Zuhörerschaft. Dabei bietet die Theologie doch einiges an Übersetzungsleistungen des Begriffes an: im Moment könnte vielleicht “Entfremdung“ oder “Hybris“ in die Diskussionn gebracht werden? Oder auch Luthers Rede vom homo incurvatus hätte in das Thema der Sendung gepasst. Punkten konnte immerhin die evangelische Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Die setzte am Ende der Sendung sogar den Egomanen Dr. Kusch matt, als es um sein Honorar für die Ermöglichung des geleiteten Suizides ging. …