Predigt

Bitte Warten! Advent!

Es gibt Menschen, die können warten. Und es gibt solche, denen fällt es schwer. Zu welchen tendieren Sie?Eher zu den Kindern, die kaum etwas (er)warten können, deren Freude sich ganz spontan zeigt: Der ganze Körper ist eine einzige Erwartung. Mit der Zeit ändert sich das. Viele nennen es „Erwachsen werden“. Man erwartet anscheinend nichts mehr – weder vom Leben noch davon, dass sich etwas wirklich ändert. Und doch hält man ein solches Leben nicht aus. Man braucht gegen das Einerlei die Zerstreuungen, flache Programme, die zu den Flachbildschirmen passen. Man tut nur noch so als ob man auf eine Veränderung wartete.

Ob es früher besser war? Damals als Kind? Die Angst davor, zu kurz zu kommen, diese Angst hatte man jedenfalls nicht. Ist vielleicht diese Angst der Auslöser, dass es schon bald nach den Sommerferien Weihnachtsartikel in den Regalen stehen und der „große Weihnachtsmarkt“ am 4. Oktober“ beginnt?

Hat hier Advent eine Chance?

Warten zu lernen, sich vorzubereiten, jedes Jahr neu eine innere Auszeit zu nehmen gegen all das, was einem das Warten ausgetrieben hat. Ein Warten, das den ganzen Körper lockert, den Geist beflügelt, die Seele zur Ruhe kommen lässt? Wenn Gott Mensch wurde, wenn er zu einem Kind wurde, gibt er uns damit auch die Hoffnung zurück, dass wir noch warten können. Dieser Glaube kann neu gelernt werden, mühsam gegen das Erwachsen geworden sein.

Er braucht dabei Unterstützung. Es braucht aber auch die gegenseitige Ermutigung. Ich hoffe immer noch, dass ich selbst und viele andere behutsam warten lernen.