Monate: November 2008

Bitte Warten! Advent!

Es gibt Menschen, die können warten. Und es gibt solche, denen fällt es schwer. Zu welchen tendieren Sie?Eher zu den Kindern, die kaum etwas (er)warten können, deren Freude sich ganz spontan zeigt: Der ganze Körper ist eine einzige Erwartung. Mit der Zeit ändert sich das. Viele nennen es „Erwachsen werden“. Man erwartet anscheinend nichts mehr – weder vom Leben noch davon, dass sich etwas wirklich ändert. Und doch hält man ein solches Leben nicht aus. Man braucht gegen das Einerlei die Zerstreuungen, flache Programme, die zu den Flachbildschirmen passen. Man tut nur noch so als ob man auf eine Veränderung wartete. Ob es früher besser war? Damals als Kind? Die Angst davor, zu kurz zu kommen, diese Angst hatte man jedenfalls nicht. Ist vielleicht diese Angst der Auslöser, dass es schon bald nach den Sommerferien Weihnachtsartikel in den Regalen stehen und der „große Weihnachtsmarkt“ am 4. Oktober“ beginnt? Hat hier Advent eine Chance? Warten zu lernen, sich vorzubereiten, jedes Jahr neu eine innere Auszeit zu nehmen gegen all das, was einem das Warten ausgetrieben hat. Ein Warten, das den ganzen Körper lockert, den Geist beflügelt, die …

Schäfchen im Trockenen?

In meinem Briefkasten lag neulich die Werbung eines Finanzinstitutes: „Bringen Sie ihr Schäfchen ins Trockene!“ Freilich, das war noch vor dem Finanzcrash. Am Tag danach klingt das fast wie Hohn. Viele Kirchen nehmen den Zusammenbruch des Finanzmarktes bemerkenswerter Weise nur unter der Perspektive wahr, ob sie ihre kirchlichen Finanzen im Trockenen haben, oder nicht, wie z.B. die Oldenburgische Kirche, die Millionen bei der amerikanischen Lehmann Bank lassen musste. Dabei hätten die Kirchen doch dazu einiges zu sagen: Unverdächtig könnten sie Luther zitieren, der 1524 in einer kleinen Schrift („Von Kaufshandlung und Wucher“) schon wusste: „Geld ist erforderlich aber unfruchtbar!“ Oder sie könnten die 1975 vom ÖRK ins Leben gerufene Genossenschaft oikocredit als alternative Form des Wirtschaftens in das ihr zustehende Licht rücken. Stattdessen verfasste die EKD im Juli eine Denkschrift, die sich weitaus unkritischer mit der Praxis unseres Wirtschaftens auseinandersetzt als erwartet. Hat die Oldenburgische Kirche schlussendlich nur das praktiziert, was die Denkschrift empfiehlt? Hat die „Gottesanbeterin“ sich hier tief vor der „Heuschrecke“ verneigt? Fest steht: Hinter dem Crash entdecken nur die wenigsten einen Systemfehler. …