Monate: Oktober 1998

Keine Gnade? (Röm.3,23-24) Predigt

Er kniet am  Boden. Vollkommen  durchnäßt . Es ist dunkel und regnet in Strömen. Sein Gesicht ist verzerrt, die Augen geschlossen. An seinem Kopf ein Revolver!- Großaufnahme Gesicht. Großaufnahme Finger am Abzug. Wieder Großaufnahme Gesicht und gleich  wieder: Finger am Abzug. Der Zuschauer-also ich- genauso gespannt wie die Waffe. Immer wieder hin und her zwischen den Großaufnahmen. Doch dann,  nach  scheinbar  unendlichen  Momenten  voller Angst  für  das  Opfer  und  Spannung  für  den  Zuschauer, wird die Waffe vom Kopf in den Halfter gesteckt. Erleichterung auf ganzer Linie. Sich entfernende Schritte, wieder in Großaufnahme. Abspann: Sie  sahen:  Der  Akt  der  Gnade! Bleiben  sie dran, denn gleich geht’s weiter mit: „Der Mann, der keine Gnade  kannte!“ -Werbung. „das  muss  ich  sehn“  zap, AUS.__ Es ist  schon  verwunderlich:  Sucht  man  danach,  wo  das Wort Gnade begegnet, befindet man sich entweder im Kino bzw. vor dem Fernseher, in der Kirche, oder in Österreich, wo der Damenwelt noch die ihr angemessene Anrede zu Teil wird: „Gestatten gnä‘ Frau“. Eine Ausnahme gibt es davon allerdings dann doch noch: Staatsoberhäupter haben in aller Regel das …